Luck, Sacks, Peltzer, Lottmann
Die Bücher der Woche

Günter Luck erlebt eine Kindheit zwischen den Extremen, Oliver Sacks gibt einen Einblick in sein Leben, Ulrich Peltzer entwirft eine großes Gegenwartspanorama und Joachim Lottmann ätzt gegen alles. Die Bücher der Woche.
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Berlin/Hamburg/MünchenDer Vater Kommunist, die Stiefmutter glühende Hitler-Anhängerin. Günter Lucks erlebt eine Kindheit zwischen den Extremen. Sie endet fast in einer Katastrophe.

Der Vater von Günter Lucks bleibt hart. „In diesem Verein melde ich dich nicht an.“ Dabei will der kleine Günter doch einfach nur dazugehören, fast alle Klassenkameraden tragen schon die braune Uniform der Hitlerjugend. Lucks ist hin- und hergerissen zwischen seinen kommunistischen Eltern und dem nationalsozialistisch dominierten Umfeld in der Schule und auf der Straße.

Wer liegt richtig, wer falsch? Wer sind die Guten, wer die Bösen? Dass die neue Stiefmutter für Hitler schwärmt, macht es dem Jungen nicht einfacher. „Ich kam mir vor wie junger Vogel, der aus dem Nest gefallen ist. Es war ein schreckliches Gefühl“, schreibt Lucks.

Mit „Der rote Hitlerjunge. Meine Kindheit zwischen Kommunismus und Hakenkreuz“ gelingt Lucks ein eindrucksvoller Einblick in die Gefühlswelt eines Jungen zur Nazi-Zeit. Gekonnt verwebt er bekannte Ereignisse wie die Bombenangriffe der Alliierten auf Hamburg mit seiner Familiengeschichte. Sein Bruder stirbt 1943 im Feuersturm. Auch wenn viele bereits über ihr Leben während der NS-Zeit geschrieben haben, wird Lucks Lektüre nie langweilig. Das Buch hat er zusammen mit dem Journalisten Harald Stutte verfasst.

Immer wieder gelingt es Lucks, mit kleinen Episoden die Propaganda der Nationalsozialisten zu entlarven. Als ein sowjetischer Kriegsgefangener einige Monate im Gemüseladen seiner Tante hilft, freundet sich der Junge mit dem Russen an. „Unser Iwan“ nennen sie ihn. Zunächst schickt die Tante den Russen zum Essen immer in den Schafstall.

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