Ludivine Sagnier ist Frankreichs neuer Star
Schlampe auf Diät

Wer sie in „8 Frauen“ als vorpubertäre Catherine mit schnurgeradem Haar und neugierigen Knopfaugen gesehen hat, wird sie kaum wiedererkennen: Der schnippische Schmollmund, der lasziv schlurfende Gang, eine brüchige Stimme voller Verheißung. Vor allem aber dieser makellose Körper.

Frankreich feiert Ludivine Sagnier als neue Lolita. Ganz Europa, so meint man, ist derzeit mit dem Poster der lasziven Blondine gepflastert, die sich im knappen Bikini am Pool räkelt. „Swimming Pool“ heißt der neue Film von François Ozon, der auch „8 Frauen“ in Szene setzte.

Sagnier taucht diesmal als flippige Verlegertochter unverhofft in einem Sommerhaus auf, das ihr Papa einer schmallippigen britischen Krimi-Autorin mit Schreibblockade (Charlotte Rampling) zur Entspannung überlassen hatte. Doch obwohl die beiden zunächst arg aneinander geraten, verschafft das sinnliche Girlie der nur scheinbar vertrockneten Schachtel prompt zu neuer Inspiration.

Dabei brachte die 24-Jährige beim Casting so gar nicht die idealen Voraussetzungen für die Rolle mit. „Ich war ein wenig plump“, sagt sie unschuldig. „Naja, der Erfolg von ,8 Frauen’ hatte zur Folge, dass wir in alle Welt eingeladen und in die besten Restaurant ausgeführt wurden. Es war so lecker . . .“

Sie könne die Rolle haben, sagte der Regisseur – wenn sie auf Diät ginge. Ganze sieben Kilo mussten runter. „Du musst so verführerisch und schön sein, wie es nur geht“, hatte François Ozon verfügt. „Denn auf der Leinwand scheint man ungefähr zehn Pfund mehr drauf zu haben“, bedauert Sagnier. „Es war eine ziemlich harte Diät“, seufzt sie.

Auf dem Set wurde sie getrennt verköstigt, um ihre Bikinifigur zu halten. „Alle anderen aßen Lasagne, Pasta und Apfelkuchen und tranken Wein – während ich bei Fisch und gedünstetem Gemüse darbte.“ Schließlich war es ihre Filmpartnerin Charlotte Rampling, die sie beiseite nahm und sagte: „Das reicht, pass auf, dass du keine Essstörung entwickelst.“

Mit Rampling, Jahrgang 1945 und damit kaum glaubliche 35 Jahre älter als Sagnier, liefert sich Ludivine im Film ein erbittertes erotisches Duell. Der Zenit ist erreicht, als beide bei Kerzenschein und Tanzmusik um die Gunst eines attraktiven Kellners buhlen. Der erliegt dem Reiz der Älteren. „Julie mag jung und sinnlich sein, und sie ist offensiv vulgär, aber sie hat niemals die erotische Macht der älteren, klugen und erfahrenen Frau.“

Sie solle eine „richtige Schlampe“ spielen, hatte Ozon verlangt, und schon lange hat man kein so verführerisches Nymphchen mehr auf der Leinwand gesehen wie Ludivine Sagnier. Bereits in Ozons Film „Tropfen auf heiße Steine“ hatte sie in Unterwäsche getanzt – hier nun ist sie über weite Strecken fast völlig hüllenlos.

Dabei ging es Ludivine Sagnier alles andere als leicht von der Hand, das lebenshungrige Naturkind zu verkörpern. „Ich bin in Wirklichkeit eher befangen“, sagt sie. „Ich würde nie auf die Idee kommen, oben ohne an den Strand zu gehen.“ Für die Julie im Film habe sie sich geradezu schmutzig gefühlt. „Sie tat mir fast Leid, weil ihre hemmungslose Sexualität ja sehr selbstzerstörerisch ist. Sie lässt sich ja von dem Mangel an echter Zuneigung total manipulieren.“

So ganz konnte sie die Rolle nach Drehschluss auch nicht hinter sich lassen. „Abends, wenn ich vom Set heimkam, bin ich immer als erstes unter die Dusche gesprungen, um den Geruch meiner Partner abzuwaschen, der immer noch an mir haftete.“

Aber, gibt sie zu, es sei was dran am Klischee der verklemmten Engländer und der sinnenfreudigen Franzosen, mit dem Ozon in seinem Film so genüsslich spielt. „Franzosen“, sagt Ludivine Sagnier, „sind sehr ehrliche Menschen, und manchmal kann das auch arrogant wirken. Vielleicht äußert sich diese Offenheit auch körperlich.“ Als sie neulich zum Dreh von „Peter Pan“ in Australien war, da stellte sie jedenfalls fest, „dass die dort sehr viel verklemmter sind als bei uns.“

Überhaupt, „Peter Pan“. Als Ludivine Sagnier „Swimming Pool“ auf dem diesjährigen Filmfest in Cannes vorstellte, waren die Dreharbeiten zu dem amerikanischen Disney-Familienfilm gerade abgeschlossen. Sagnier ist darin die Tinkerbelle, die süße Fee und beste Freundin von Peter, dem Kind, das sich weigert, erwachsen zu werden.

Ob die prüden US-Produzenten wohl einen Schreck gekriegt haben, als sie Sagnier als nackte Verführerin sahen? „Ich glaube“, grinste die 24-Jährige sichtlich erheitert in Cannes, „die Amerikaner haben noch keinen Schimmer von diesem Film. Aber was sollen sie auch machen? Ich habe einen Vertrag, und sie würden sich ruinieren, wenn sie mich rauswerfen würden!“

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