Lulu entzieht sich den Männern immer wieder
Die doppelte Lulu

Das Theaterduell Hamburg gegen Berlin geht in die zweite Runde.Im Mittelpunkt: Fritzi Haberlandt und Anne Tismer als „Lulu“.

Nelly, Mignon, Eva – so nennen sie ihre wechselnden Männer. Sie selbst sagt von sich: „Mein Fleisch heißt Lulu.“ Lulu ist radikal in ihrer Lust. Ihr verfallen die Männer scharenweise – und zur Zeit verfallen die Regisseure wieder auf das männermordende Geschöpf. In Wedekinds Tragödie aus dem Jahr 1894 stürzen die Wunschbilder auf die Männer ein: Kindfrau, Sirene, femme fatale, Hure – Lulu ist immer das, was der Mann sich erträumt – und entzieht sich immer wieder.

Lulu – das sind Fritzi Haberlandt und Anne Tismer. Die momentan begehrtesten Schauspielerinnen lassen nun das „schöne wilde Tier“ von der Leine, das alle männlichen Haustiere das Fürchten lehrt. Mit dem Duell der Lulus treten auch zwei Renommierbühnen gegeneinander an. Dem Hamburger Thalia Theater und der Berliner Schaubühne gelang in der letzten Spielzeit mit ihren Versionen von Ibsens „Nora“ ein sagenhafter Erfolg. Nun läuten sie eine neue Runde ihres künstlerischen Wettstreits ein.

Fritzi Haberlandt trägt ein kurzes Hängekleidchen, die langen Beine stecken in fliederfarbenen Kniestrümpfen. Eine Lolita mit kantigen Konturen, springlebendig, instinktsicher, ungebändigt. Rotzfrech und anschmiegsam. Sie ist das Kraftzentrum in Michael Thalheimers „Lulu“-Inszenierung, die Ende Februar am Thalia Theater herauskam und zwiespältige Reaktionen provoziert hat.

Thalheimer, bekannt für seinen Reduktionismus, zeigt in seinem Wedekind-Quickie Variationen des Immergleichen: Kaum nähern sich die Männer, lassen sie auch schon die Hosen fallen. Eine Ballade von der sexuellen Hörigkeit – so banal wie fatal. Dennoch wird der Abend zum Triumph der Fritzi Haberlandt.

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