Lyonel Feininger
Feiner Fang für Chemnitz

40 Jahre lang hat der Architekt Harald Loebermann Graphik des expressiven Kubisten und späteren Bauhaus-Künstlers Lyonel Feininger gesammelt. Jetzt wurden 298 Blätter für die Kunstsammlungen Chemnitz erworben. Sie schließen eine empfindliche Lücke, die die Nationalsozialisten gerissen hatten. Feininger-Blätter kaufen kann man derzeit in zwei Galerien.
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CHEMNITZ. Pünktlich im 100. Jahr des Bestehens ihres Museums hat Ingrid Mössinger, Generaldirektorin den Kunstsammlungen Chemnitz, einen aufsehenerregenden Ankauf unter Dach und Fach gebracht. 298 Graphiken, Zeichnungen und Aquarelle von Lyonel Feininger runden den Bestand an Avantgarde-Kunst jetzt ab. Tatkräftig mitgeholfen haben die Kulturstiftung der Länder, der Staatsminister für Kultur und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Zusammengetragen hatte sie der Nürnberger Architekt Harald Loebermann (1923-1996) innerhalb von 40 Jahren. Ein Teil der Werke ist nun abermals in Chemnitz zu sehen (bis 10.01.2010), nachdem die Sammlung bereits vor drei Jahren vollständig in den Kunstsammlungen ausgestellt und in einem umfassenden Katalog aufgearbeitet worden war.

Ein in jeder Hinsicht herausragender Ankauf

Über die Kaufsumme wahren die Beteiligten Stillschweigen. So viel aber kann Ingrid Mössinger verrraten: "Wir konnten die Feininger-Sammlung weit unter Marktwert erwerben. Die Kaufsumme liegt entschieden über unserer bislang teuersten Erwerbung." Die Loebermann-Sammlung birgt rund zwei Drittel aller Holzschnitte sowie ein Drittel aller Lithographien und Radierungen, die der deutsch-amerikanische Künstler geschaffen hat. Das macht sie so wertvoll. Der Bogen reicht von ersten, noch tastenden Radierungen von 1910 über Feiningers Entdeckung der Möglichkeiten des Holzschnitts im Jahr 1918 und die Weimarer Jahre bis zum Spätwerk in den USA. Die späteste Arbeit ist ein wunderschön koloriertes Aquarell mit Feder- und Kohlezeichnung von 1955 - ein Jahr vor Feiningers Tod -, das eines seiner beliebten Küstenmotive zeigt. Wie in der Malerei gelingt es Feininger auch in der Graphik, sichtbare Gebilde als prismatisch gebrochene Körper zu schildern.

Der Sammler entschied sich für Chemnitz

Über den Künstler Georg Karl Pfahler hat Ingrid Mössinger 1994, damals noch als Direktorin des Kunstvereins Ludwigsburg, den Sammler Harald Loebermann kennengelernt. Die Kollektion des fränkischen Architekten und Kunstliebhabers umfasste neben dem riesigen Feininger-Konvolut auch einen großen Bestand an Graphik von Max Ernst und zudem Werke von Karl Fred Dahmen, Ernst Wilhelm Nay, Fred Thieler und Serge Poliakoff. Nach dem Wechsel der Direktorin nach Chemnitz 1996 hat sich Loebermann kurz vor seinem Tod noch dafür stark gemacht, dass die Feininger-Werke geschlossen an dieses Haus gehen sollten.

Neben den imposanten Räumlichkeiten des Museums weckte auch die Geschichte des Hauses sein Interesse, das in den 1920er-Jahren eine der damals führenden Museumssammlungen mit Werken der Moderne aufgebaut hatte. Die NS-Aktion "Entartete Kunst" pulverisierte jedoch diesen Bestand, was den Feininger-Ankauf nun umso wertvoller für das Museum macht. Zehn Jahre lang hat Ingrid Mössinger an der Finanzierung des Ankaufs gearbeitet. "Am Ende war?s knapp", erklärt sie hörbar erleichtert. "So etwas möchte man nicht zweimal im Leben machen." Als großes Problem erwies sich die Buchführung der öffentlichen Kassen. Ein Ansammeln der Kaufsumme über Jahre erschien nahezu unmöglich. "Am Besten funktionieren da Stiftungen, weil sie abgekoppelt sind vom politischen Tagesgeschäft", erklärt die Direktorin.

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