Made in Germany
Die Tiefenschichten junger Kunst

Einen Hang zum Monumentalen und zur Überwältigungskunst zeigt die Kollektivschau „Made in Germany zwei".
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HannoverIm Kunstverein Hannover beherrschen Rauminszenierungen das Programm. In einer der drei Stationen der Kollektivschau „Made in Germany zwei" schreitet man durch Alicja Kwades Installation schwergewichtiger Uhrenpendel, die an Ketten unterschiedlicher Länge teils Bodenhaftung suchen, teils in luftiger Höhe hängen. Das Zusammenspiel von Starre und Schweben gibt diesem transparenten Werk eine lyrische Qualität.

Dramatischer geht es in Ulla Brandenburgs Ensemble „Kulisy" zu, das alte Bühnenvorhänge und schwere Seile kulissenartig verschränkt - angestaubter Bühnenzauber, in dem allerdings kein Platz mehr für glänzende Auftritte bleibt. Den Treppenaufgang beherrscht Max Frisingers monumentale Vitrine mit Alltagsrelikten von Baustellen in Holz und Metall, die der Künstler in einem monströsen Spinnennetz entsorgt: ein visueller Kraftakt.

Der Markt mischt mit. Diese drei Künstler gehören zu der aus rund 400 Kandidaten ausgewählten Garde von 45 Dreißig- bis Vierzigjährigen, die in Deutschland leben und arbeiten. Den „Produktionsstandort Deutschland" im Kontrast zur multinationalen Documenta ins Visier zu nehmen, ist das erklärte Ziel dieser Selektion, die neun Kuratoren auf die Ausstellungshäuser Sprengel Museum, Kestnergesellschaft und Kunstverein verteilt haben.

21 der Künstlerinnen und Künstler kommen aus dem Ausland, 33 leben teilweise oder ganz in Berlin. Bei einer derartigen ästhetischen Dominanz der Hauptstadt spielt natürlich auch der Berliner Kunsthandel an vorderster Front mit. Die Mehrzahl der hier ausgestellten Künstler ist in 20 Berliner Galerien vertreten. Oft kommen zwei bis drei Künstler aus ein und derselben Galerie.

Die Daten in den Künstlerlisten des Ausstellungskatalogs sind diesbezüglich allerdings nicht immer auf dem neuesten Stand. Oft fehlen aktuelle Galeriedaten, und wichtige Stationen sind ausgespart. Allen Beteiligten dürfte jedoch klar sein, dass der Markt nicht von dieser Schau zu trennen ist. Für die Galeristen wie für die Künstler, letztlich auch für die Kuratoren, bewährt sich hier das Prinzip gegenseitigen Gebens und Nehmens.

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