Mäzenatentum ist nur ein Weg
Buchhandel tut sich schwer mit den Kleinen

Vor allem die kleinen unabhängigen Verlage leiden unter der aktuellen Krise in der Buchbranche. Ihre außerhalb des Mainstreams stehenden Titel landen immer seltener in den Regalen der Buchhändler.

HB HAMBURG. Insbesondere die großen Ketten, die vornehmlich Bücher von Bohlen & Co. in ihr Sortiment aufnehmen, machen den kleineren Verlagen das Leben schwer. Aber auch die wenigen ambitionierten Buchhändler scheuen zunehmend das Risiko, ausgefallene Literatur anzubieten. Sie bringt nicht nur weniger Umsatz, sondern fordert auch einen größeren Einsatz an Beratung. Rolf Nüthen vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels sagt: „Bücher machen können die kleineren unabhängige Verlage - der Vertrieb ist das Problem.“

Nüthen, der den Arbeitskreis kleinerer unabhängiger Verlage beim Börsenverein betreut, regt an, dass diese Vertriebsgemeinschaften bilden. Im Übrigen wird der Börsenverein den Dialog mit den Einkäufern der großen Buchhandelsketten fortsetzen. Manfred Metzner, Inhaber des Heidelberger Verlages „Das Wunderhorn“, sieht die Problemlage in deutschen Traditionen: „Im Unterschied zu Frankreich hat der Literaturbetrieb in Deutschland einen sehr niedrigen Stellenwert.“ Wenn man, so Metzner, die literarische Qualität und Vielfalt, die nicht zuletzt von den kleineren, unabhängigen Verlagen gewährleistet wird, erhalten wolle, müsse man jetzt handeln.

Ein erster Schritt war im Jahr 2000 die Gründung der Kurt-Wolff- Stiftung, deren Vorsitzender Metzner ist und die die Vielfältigkeit der Verlags- und Literaturszene fördern will. An die Öffentlichkeit tritt die Stiftung, die vom Börsenverein, der Bundesregierung und einer Vielzahl unabhängiger Verlage getragen wird, mit der jährlichen Verleihung des Kurt-Wolff-Preises. Dieser ist mit 26 000 Euro dotiert und wird während der Leipziger Buchmesse an einen unabhängigen Verleger verliehen. Der Namensgeber der Stiftung war eine der ganz großen Verlegerpersönlichkeiten im 19. Jahrhundert: Kurt Wolff (1887- 1963), verlegte als Erster Franz Kafka, förderte expressionistische Dichter und achtete auf die Gestaltung seiner Bücher.

Das Problem der Stiftung ist ihr geringes Kapital. Das Ziel waren ursprünglich 500 000 Euro, doch lediglich 170 000 Euro sind bisher zusammengekommen. Allerdings wird sich die öffentliche Hand auch in den nächsten Jahren engagieren: Wir wollen versuchen, die Kurt-Wolff- Stiftung in nächster Zeit auch finanziell etwas aufstocken, sagt Detlef Troppens, der in der Behörde von Kulturstaatsministerin Christina Weiss für das Verlagswesen zuständig ist.

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