Majolika
Wer ist nun Eigentümer?

Glasierte Keramik aus dem 16. Jh. ist sehr selten. Ein Kunsthändler zog vor Gericht um die Eigentumsverhältnisse an drei Majolika-Werken feststellen zu lassen, die einst dem Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig gehörten.
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ParisDer bayerische Kunsthändler Peter M. geht gegen das Land Niedersachsen, den Träger des Herzog Anton Ulrich-Museums (HAUM) in Braunschweig, mit einer „negativen Feststellungsklage“ vor. Die Verhandlung vor dem Landgericht Braunschweig am 7. Dezember 2011 sollte dazu dienen, das Eigentum an drei historischen, auf dem Markt seltenen und teuren Majolika eindeutig zu klären. Peter M. will gerichtlich feststellen lassen, dass das HAUM nicht mehr Eigentümer der von ihm am 17.4.2010 in Quedlinburg ersteigerten, bemalten Keramikplatten ist.

Die Vorgeschichte ist komplex, denn das HAUM hatte während des Zweiten Weltkriegs drei Kisten mit wertvollem Kunsthandwerk, darunter 39 von Künstlerhand bemalte Keramikplatten des 16. Jahrhunderts, in einer Höhle in Börnecke im Harz ausgelagert. Seither galten die Kisten als verschollen. Im Jahr 1979 erstellte Johanna Lessmann den Katalog der Sammlung „Italienische Majolika“ des HAUM. Im Annex des Katalogs listete Lessmann die verschollenen Majolika mit Schwarz-Weiß-Abbildungen und genauen Beschreibungen und Inventarnummern auf. Die Majolika befanden sich seit 1771 bzw. 1903 im Inventar des Museums. Der Lessmann-Katalog müsste sich eigentlich in jeder Fachbibliothek eines Händlers befinden. Ist er es nicht, wären die nationalen Kunst-Bibliotheken zu konsultieren. Peter M., der in Maastricht auf der Tefaf ausstellt, hält dagegen: „Ich bin ein Generalist. Ich kaufe und verkaufe von der gotischen Skulptur bis zum Art-déco.“ Die verschollenen Majolika-Objekte seien auch im Online-Register „lostart.de“ abrufbar, insistiert das Museum. Dort sind sie tatsächlich schwierig auffindbar. Das bringt der Kläger Peter M. zu seiner Entlastung vor.

Vor der Auktion unterschätzt

Als im April 2010 im Auktionshaus Breitschuh in Quedlinburg drei als „Fayenceteller“ bezeichnete farbenprächtige Majolika-Arbeiten zur Versteigerung kamen, gerieten die internationalen Spezialisten in Aufregung. Mit lächerlich kleinen Taxen von 300 bis 5.000 Euro geschätzt, wurden die „Teller“ wie berichtet für 257.081 Euro, 36.783 Euro und 14.713 Euro brutto dem gleichen anonymen Bieter zugeschlagen. Berichten der Lokalmedien zufolge war der internationale Handel im Saal und am Telefon aktiv.

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