Maler Mode
Kunst-Stoff

Wenn ein deutscher Maler Mode malt: In Paris ist seit einigen Tagen das Ergebnis der noch immer seltenen Mesalliance zwischen Kunst und Mode zu betrachten und zu erwerben. Der deutsche Maler Peter Zimmermann wagte den Ausflug in die Modewelt und hat für die junge Marke Tara Jarmon eine Kollektion von Sommerkleidern im Look der 70er-Jahre entworfen.

DÜSSELDORF. Welche Frau sich dem heimlichen Traum ergab, sich wahrer Kunst nicht nur an Wänden oder auf Sockeln zu erfreuen, sondern buchstäblich am Körper, musste sich bisher der bisweilen unappetitlichen Zunft der Bodypainter ausliefern. Doch nun naht die textile Alternative: In Paris ist seit einigen Tagen das Ergebnis der noch immer seltenen Mesalliance zwischen Kunst und Mode zu betrachten und zu erwerben. Der deutsche Maler Peter Zimmermann wagte den Ausflug in die Modewelt und hat für die junge Marke Tara Jarmon eine Kollektion von Sommerkleidern im Look der 70er-Jahre entworfen. So erfährt Mode plötzlich einen neuen Weg: vom Atelier über die Galerie in die Boutique.

Luftige, kurze Seidenkleidchen mit tiefen Rückendekolletés, deren gewebte, abstrakte Stoffmotive in den dominanten Farben Rosa und Türkis für die diesjährige Frühlings- und Sommermode typisch sind, präsentiert die Kleidermarke Tara Jarmon nun in ihren Pariser Boutiquen. Die leichten Kleider gibt es in limitierter Auflage, eben vergleichbar mit Kunstobjekten. Ihre beschränkte Anzahl soll Exklusivität und Nähe zum Kunstmarkt signalisieren.

Ein Maler im Modemilieu kann schnell wie der Elefant im Porzellanladen wirken. Die überschlanken Modedamen wollen nicht immer zum ernsten Kreativen passen, dessen Werke einem komplexen Arbeitsprozess abgerungen sind. Peter Zimmermann macht da keine Ausnahme. Er zeigte vor drei Jahren in der in Paris ansässigen Galerie Emmanuel Perrotin seine abstrakten Gemälde. Von deren geometrischen Motiven und Farbkontrasten begeistert, schlug die Designerin und Modeschöpferin Tara Jarmon dem Galeristen Perrotin die Zusammenarbeit mit Zimmermann vor. Und so wurden die Kleider Mitte Januar zusammen mit den neuen Riesengemälden Zimmermanns erstmals gezeigt.

Zimmermann benützt gescannte Ausschnitte von eigenen, älteren Gemälden, Bildmaterial aus dem Internet oder aus Zeitschriften. Im Computer bearbeitet er diese Basismaterie digital mit Filtern. Die abstrakte Bildvorlage trägt er mit Epoxidharz schichtweise auf die Leinwand. Zimmermanns Bilder erwecken den Eindruck von fließenden Farben und Formen.

Ebenso ansprechend sind die minimalistischen Stoffmuster für die Tara-Jarmon-Kleider. Tara Jarmon versucht, mit ihren Entwürfen, nah am Zeitgeist zu sein, in diesem Fall dem Zeitgeist des Retro. So entstand wieder aktuelle Minimode, die erschwinglich ist.

Die kunstbegeisterte Tara Jarmon zeigt derzeit noch nicht auf den Pariser Prêt-à-porter-Schauen. Die Marke begann vor knapp zehn Jahren in einer Boutique in Saint-Germain-des-Près ihren Aufstieg, inzwischen etablierte sie sich mit weiteren Läden, so auch auf den Champs-Elysées. Sie zeigt mit ihrer Zimmermann-Kollektion, dass Exklusivität sich nicht ausschließlich über den Preis definiert. Für die sechs Seidenkleidermodelle in limitierter Auflage muss frau mit 250 bis 600 Euro rechnen. Unmittelbare Nähe zur Kunst war schon teurer!

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