Maler und Bühnenbildner Johannes Grützke ist tot

Seine Figuren verzerrte er bis ins Groteske: Mit dickem Pinsel trug Johannes Grützke bildmächtig auf. Nun ist der deutsche Künstler, dessen Werk Lucian Freud und Francis Bacon nahestand, in Berlin verstorben.
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Der Maler interessierte sich für die Darstellung sich wandelnder Menschengestalten. Er malte Buntstiftzeichnungen und Pastelle von magersüchtigen Frauen. Quelle: dpa
Johannes Grützke

Der Maler interessierte sich für die Darstellung sich wandelnder Menschengestalten. Er malte Buntstiftzeichnungen und Pastelle von magersüchtigen Frauen.

(Foto: dpa)

BerlinEr war ein Freund der visuellen Zuspitzung: Verzerrte Gesichter, riesige Ohren, Grimassen – mit seinen Gemälden hat Johannes Grützke die Deutschen bis ins Groteske verfremdet und ihnen zugleich den Spiegel vorgehalten. „Malen ist Denken“, lautete sein Prinzip. Der aus Berlin stammende Maler, Zeichner und Bühnenbildner, der sich in Selbstporträts überspitzt mit mächtiger Nase auch selber nicht verschonte, ist tot. Grützke starb am Mittwoch im Alter von 79 Jahren nach schwerer Krankheit in Berlin, wie die Leipziger Galerie Schwind mitteilte.

Einer größeren Öffentlichkeit wurde der am 30. September 1937 geborene Grützke mit seinem monumentalen „Zug der Volksvertreter“ in der Frankfurter Paulskirche bekannt. Das 32 Meter lange Rundbild zeigt 160 Herren ganz in schwarz. Die Auftraggeber wünschten sich, „in angemessener Weise die Ideen und das Ereignis des Vormärz und der 1848er Revolution künstlerisch zu erfassen“ – sie bekamen 1991 einen „endlosen Umzug trauriger Gestalten“, wie ein Kritiker formulierte.

Grützke wollte die Verhältnisse aufdecken, die Besonderheiten von Menschen darstellen, freilich mit viel Witz. Wie Teig dehnen sie sich über die Gemälde, Gestalten im barocken Exzess, wohl auch als Parabel auf die Verlockungen von Konsum und Wohlstand. Dabei bezog er sich immer wieder auch auf klassische Motive. Seine ausufernden Tableaus greifen auch die Formstrenge historischer Malerschulen auf.

Den Maler interessierte die Darstellung sich wandelnder Menschengestalten, wie es etwa in seinen Buntstiftzeichnungen und Pastellen von magersüchtigen Frauen sichtbar wird. Unverkennbar ist der Einfluss Oskar Kokoschkas, dessen Schüler er 1962 war, aber auch die Nähe etwa zu Egon Schiele, Lucian Freud oder Francis Bacon.

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