Malerei des 19. Jahrhunderts
36 Mio. Dollar für einen "Schinken"

Dass ein süßliches Historienbild von 1904 36 Mio. Dollar kosten kann, ist einen Sensation. Dieser neue Höchstpreis für ein von manchem verachtetes Sammelgebiet gibt diesem Aufschwung. Die "Auffindung des Moses" von Sir Lawrence Alma-Tadema ist sexy und mondän. Das Monumentalgemälde hat eine aufschlussreiche Preisgeschichte und war schon mal Vorlage für Hollywood.
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LONDON. Im Windschatten der Moderne Auktionen gab es in Sotheby's Auktion von Kunst des 19. Jahrhunderts einen Sensationspreis, der Barrieren durchbrach und den Markt nachhaltig verändern dürfte. "Wenn es so einen Preis gibt, dann werden die Leute natürlich neugierig und sehen sich diese Kunst näher an", so Sotheby's Spezialistin Polly Sartori zum dem Rekordpreis von 36 Mio. Dollar für Sir Lawrence Alma-Tademas Monumentalschinken "Die Auffindung des Moses".

Teurer als Monet

Der Verkauf wird Marktgeschichte machen und Großsammler in diesem Bereich wie Andrew Lloyd Webber begeistern. Denn der Preis liegt turmhoch über allem, was vorimpressionistische Genremalerei des 19. Jahrhunderts in den letzten Jahrzehnten erzielte. Das 214 cm breite Gemälde versiebenfachte eine Schätzung von 3 bis 5 Mio. Dollar und wurde, unbemerkt von der auf die Moderneauktionen gerichteten Aufmerksamkeit, das drittteuerste Kunstwerk der großen New Yorker Auktionswoche - teuerer als ein Seerosenbild von Claude Monet und teuerer als der Rekordpreis für ein Stillleben von Juan Gris.

Abgeschriebener Stil

Mit einem Schlag schiebt sich damit Malerei ins Scheinwerferlicht, die viele schon aufgegeben hatten - obwohl wir in den letzten Jahren immer wieder über hohe Zuschläge und wachsendes internationales Interesse an Kunst berichten konnten, die von den Geschmacksrichtern in Europa und den USA verstoßen wird.

Andrew Webber stützte den Markt

Expertin Polly Sartori kannte das Bild schon: Sie war an seinem letzten Verkauf, 1995 bei Christie's für 2,8 Mio. Dollar beteiligt, als der Markt für solche "viktorianischen Schinken" von Sammlern wie dem Komponisten Webber, dem amerikanischen Unternehmer Jetty Davies oder dem Australier John Schaeffer ein paar Jahre lang hochgetrieben worden wurde. Aber dann flachte mit der Auktion der viktorianischen Kunst der Forbes-Familie der Markt wieder ab. Webber hatte seine Sammlung abgeschlossen, Christie's stellte die Auktionen für das 19. Jahrhundert ein, Sartori musste sich einen neuen Job suchen und wechselte zu Sotheby's.

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