Mammutschau in Berlins Neuer Nationalgalerie
Ausstellung: „Kunst in der DDR“

Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Mauerfall blickt eine große Ausstellung in Berlin auf 40 Jahre Kunst in der DDR. Die Ausstellung soll dazu beitragen, einen Kanon der Kunst in Deutschland nach 1945 zu begründen.

HB/dpa BERLIN. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Mauerfall blickt eine große Ausstellung in Berlin auf 40 Jahre Kunst in der DDR. Mit 400 Gemälden, Skulpturen und Fotografien von 135 Künstlern bietet die Mammutschau von diesem Freitag an (bis 26. Oktober) in der Neuen Nationalgalerie eine Zeitreise zwischen Staatskunst und künstlerischem Aufbegehren. Es gehe um „Kunst in der DDR“ und nicht um staatstragende „Kunst der DDR“, wie der Generaldirektor der Staatlichen Museen, Peter-Klaus Schuster, am Donnerstag betonte. Die Ausstellung werde dazu beitragen, einen Kanon der Kunst in Deutschland nach 1945 zu begründen.

Nach dem Debakel der Weimarer Rückschau „Aufstieg und Fall der Moderne“ von 1999, die DDR-Kunst in die Nähe der NS-Ästhetik rückte und nach Protesten vorzeitig beendet wurde, wollten die DDR- erfahrenen Kuratoren Eugen Blume und Roland März nun Traditionen und Vielfalt der Kunst in Ostdeutschland in den Mittelpunkt rücken.

Empfangen wird der Besucher mit Werner Tübkes imposanter „Weihnachtsnacht 1524“, ein Beispiel für den „Wahnsinn“ der Staatskunst, wie März sagte. Daneben reckt sich pathetisch Fritz Cremers Skulptur „Aufsteigender“, eines der wohl bekanntesten Beispiele offiziell geförderter DDR-Kunst. Doch neben staatstragenden Künstlern bilden im unteren Geschoss der Nationalgalerie Erneuerer wie A.R.Penck, Harald Metzkes oder Jürgen Böttcher, bekannt als Strawalde, die Meilensteine in dem als „Kunstessay“ konzipierten Ausstellungsgang.

Vor dem ideologischen Diktat der Partei konnten sich die Künstler zunächst in der sowjetischen Zone und später in der DDR allerdings nie sicher fühlen. „Wir brauchen weder Bilder von Mondlandschaften noch von faulen Fischen“, brachte schon 1951 SED-Chef Walter Ulbricht sein Kunstverständnis auf den Punkt. Maler und Bildhauer sollten mit ihren Werken dem Sozialismus dienen und nicht mit „defätistischen“ Werken den „Niedergang des Kapitalismus“ bebildern. Abstrakte „Grau- in-Grau-Malerei“, die sich dem Sowjetimport „sozialistischer Realismus“ widersetzte, gehöre nicht in die Kunstschulen.

Trotz Zensur und Repressalien etablierte sich zwischen Dresden und Rostock eine vielfältige Kunstszene, die in das Klischee der „DDR- Kunst“ nie richtig passen wollte. Schon von der „Stunde Null“ an, mit der die Berliner Schau beginnt, über die expressionistischen Maler in Dresden und Leipzig bis zum letzten Kapitel „Utopien und Realität - Vom Scheitern der Geschichte“ wird deutlich: Unter realsozialistischen Bedingungen suchten die Künstler jenseits der Mauer eine eigene Bilder-Sprache.

Künstlergemeinschaften wie Dresdens Gruppe „Blaues Wunder“ um Strawalde und Penck oder Einzelgänger wie Gerhard Altenbourg, Carlfriedrich Claus oder Hermann Glöckner fühlten sich den großen Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts eng verbunden - Impressionismus und Popart, Realismus oder informeller Schule. Auch Willi Sittes lesender Bauarbeiter in „Arbeitspause“ (1959) knüpft an die optimistische Malerei Ferdinand Legers an, Tübkes „Porträt einer Studentin“ (1959) könnte auch ein Picasso sein.

Allerdings klafft in der Schau eine Lücke: Es fehlen jene Werke, die als Staatspropaganda das DDR-Straßenbild mit prägten, wie zum Beispiel Walter Womackas Dekorationsidylle mit Arbeitern am heutigen Bundesfinanzministerium in Berlin. Für „Platitüden“ des sozialistischen Realismus gebe es in der Ausstellung keinen Platz, sagte Kurator März.

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