Mammutverteilung
Phillips de Pury erzielt zweitbestes Ergebnis

Phillips de Pury setzt in New York junge Kunst für 108 Millionen Dollar um. Ein besonders aufmerksam verfolgter Ausreißer im gediegenen Angebot war der erst 27-jährige New Yorker Jacob Kassay.
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New YorkMehrfach macht Steven Cohen, der diskrete Hedge-Fonds-Milliardär und Gründer von S.A.C. Capital, in den letzten beiden Auktionswochen Schlagzeilen. Bei Christie’s wechselte seine Vlaminck-Landschaft zu hohen 22,5 Millionen Dollar die Hände, Warhols „Liz #5 (Early Colored Liz)“ (1963) lieferte er dank einer anständigen Garantiesumme lieber beim Nischenauktionator Phillips de Pury ein.

Liz setzte am 12. Mai bei 26,9 Millionen Dollar den dritthöchsten Warhol-Preis der Woche. An dem Porträt in seltenem Türkis hatte sich über 40 Jahre lange die legendäre New Yorker Galeristin Ileana Sonnabend erfreut. Cohen hatte es erst vor drei Jahren durch die Galerie Larry Gagosian aus ihrem Nachlass erworben. Der Großsammler kann das Geld auch gut gebrauchen. Nicht nur wird S.A.C. Capital seit November 2010 von der Finanzaufsichtsbehörde SEC auf Insiderhandel durchforstet, Cohen will demnächst auch einen Mehrheitsanteil am defizitären New Yorker Baseballteam Mets erwerben.

Insgesamt schloss Phillips de Pury die Mammutverteilung von zeitgenössischer Kunst am vierten Abend mit einem 98,8-Millionen-Dollar-Ergebnis ab, das dem internationalen Abteilungsleiter Michael McGinnis zufolge „typisch für die Woche war“. Klassiker mit realistischen Schätzpreisen sind gefragt.

Sämtliche vier angebotenen Warhols setzten sich auf die Top-Ten-Liste und verhalfen der Firma zum zweitbesten Ergebnis ihrer Geschichte. Es sei immer noch ein schwieriger Markt, so McGinnis, aber die neue Niederlassung in Midtown Manhattan und der riesige Erfolg der „Carte Blanche“-Auktion mit Prominenten im November hätten neues Vertrauen bei Marktteilnehmern eingebracht.

Der Liz-Käufer hob überraschend auch noch das wilde rotgrundige „Third Eye“ von 1985, eine Zusammenarbeit von Warhol und Jean-Michel Basquiat, auf den neuen Rekord von sieben Millionen Dollar. Die Taxe hatte zurückhaltend bei zwei bis drei Millionen Dollar gelegen.

Ein besonders aufmerksam verfolgter Ausreißer im gediegenen Angebot war der erst 27-jährige New Yorker Jacob Kassay. Nach seinem ersten Auktionsauftritt bei Phillips im November wurden seine silbrig beschichteten Leinwände „die“ Trophäe für Kenner.

Kassays New Yorker Galerie Eleven Rivington verlangte vor einem Jahr für seine Bilder um 10.000 bis 20.000 Dollar. Eine lange Warteliste für den Künstler macht einen Kauf jedoch schwierig. Darüber kann man sich in einer Auktion leicht hinwegsetzen: Wilder Wettbewerb wälzte sich bei Kassays erstem Abendauftritt über die schon hochgegriffene Erwartung von 60.000 bis 80.000 Dollar hinweg und hievte „Untitled“ (2009) auf erstaunlich hohe 240.000 Dollar.

Annika Reinert
Barbara Kutscher
Handelsblatt New York / U.S. Correspondent Arts and Art Market

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