Managementliteratur
Benehmen, Biss und gute Laune

In der Management-Literatur geht der Trend zum Zwischenmenschlichen. In diesem Herbst erschienen vier praktische Handbücher über die Kunst, menschliche Beziehungen im Arbeitsalltag besser zu meistern. Psychologen, Kommunikationsexperten und Manager-Coaches wenden sich diesem Thema zu.

HB DÜSSELDORF. Sein Wissen stammt aus den Abgründen der menschlichen Psyche: Zehn Jahre hat der Hamburger Kriminologe Jens Weidner mit Gewalttätern gearbeitet, hat Hooligans den Hang zur Prügelei abgewöhnt und Häftlingen beigebracht, ihre Aggressionen zu zügeln. Dann rief ihn ein Managementberater an - nicht, damit er auch im Berufsleben Menschen entschärfe. Im Gegenteil: Weidner sollte durchsetzungsschwachen Führungskräften mehr Biss verleihen. Seine Tipps, wie sich Manager im Berufsleben durch konstruktive Aggression behaupten können, hat er nun in dem Ratgeber "Die Peperoni-Strategie" gebündelt.

Das Buch ist typisch für die Management-Literatur dieses Herbstes: Es sind kaum große Entwürfe in Sicht, dafür viele praktische Handbücher über die Kunst, menschliche Beziehungen im Arbeitsalltag zu meistern. Naturgemäß melden sich bei einem solch weichen Blick auf den kleinsten gemeinsamen Nenner des Managements vermehrt Vertreter nicht-ökonomischer Fachgebiete zu Wort.

Der gelernte Kriminologe und Pädagoge Jens Weidner bringt sein Verständnis von erfolgreicher Führung auf die Formel: "Allein mit Gutherzigkeit kommen wir im Leben nicht zurecht." Per Fragebogen lässt er Leser den eigenen "Schärfe-Grad" ermitteln: von Gemüsepaprika bis Habanero-Chili. Dann erläutert er, wie Chefs ihre natürlichen Aggressionen hervorholen und in die richtigen Bahnen lenken können. Eine derartige gesunde Schärfe kann nach Weidners Überzeugung sogar den Mitarbeitern nutzen: Diese leiden nämlich unter schwachen Chefs, die keine Verantwortung für ihre Entscheidungen übernehmen, sondern sich meistens hinter dem Team verstecken.

Die Kommunikationsexpertin Dagmar Säger hat aus der gleichen Überlegung ein ganzes Buch geschrieben: "Bezahlt, um zu entscheiden" arbeitet sich an führungsschwachem Spitzenpersonal ab. Grundtenor der Trainerin, die lange Jahre als Führungskraft in großen Unternehmen tätig war: Statt so zu tun, als ob man eine Gruppe guter Freunde durch den Job lenke, sollen Chefs lieber effektive Teams aufbauen. Sie müssten schließlich auch unangenehme Entscheidungen konsequent durchsetzen können, ohne Angst davor zu haben, sich unbeliebt zu machen. Für Kuschel- und Konsensrunden, so Sägers Urteil, sind sie jedenfalls nicht da.

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