Kultur + Kunstmarkt
Managerinnen unter sich

Von "dämlich" bis "zickig": Autorinnen gehen hart mit Karrierefrauen ins Gericht

Frauen führen prima, aber viel zu selten. Auch dreißig Jahre Frauenbewegung, Quoten und Teilzeit haben daran wenig ändern können. Warum das so ist, treibt derzeit vor allem Autorinnen von Management-Büchern um.

So glaubt etwa Anja Busse, dass Frauen sich besonders gern gegenseitig auf dem Weg an die Spitze behindern. In ihrem Buch "Zicken unter sich" hat die Münchener Autorin dem Thema "Stutenbissigkeit" - und so deutlich darf wohl nur eine Frau werden - eine ganze Abhandlung gewidmet.

Eine Streitschrift ist ihr Buch dennoch nicht. Busse bearbeitet das Thema "interfeminine Konflikte" leise und akademisch. Sie zitiert Fallstudien, psychologische Fachliteratur und hat sogar eine eigene Umfrage unter 300 Frauen und Männern aller Hierarchiestufen in Unternehmen durchgeführt. Ergebnis: Frauen können tatsächlich nicht gut mit ihresgleichen. Sie gehen den Karrierekampf untereinander mit anderen Mitteln an als Männer - nämlich "unfairer", schreibt Busse.

Warum das so ist, weiß die Autorin ebenfalls: Einerseits haben ihrer Ansicht nach auch bestens qualifizierte und kompetente Frauen häufig ein kleineres Ego als mittelmäßige männliche Kollegen. Biologisch bedingt gehen sie auf eine "indirektere Art" mit Konflikten um. Unternehmenshierarchien funktionieren bei Busse immer noch nach männlichen Prinzipien - das zwingt aufstiegswillige Frauen in die Defensive. Weil sie zudem auch im Berufsleben tiefere emotionale Beziehungen eingehen als Männer, greifen sie bei sachlichen Auseinandersetzungen persönlich an.

Für Aufsehen sorgte Barbara Bierach vor zwei Jahren mit ihrem Bestseller "Das dämliche Geschlecht". Das Buch, das nun auch als Taschenbuch erhältlich ist, wagt einen radikalen Erklärungsversuch für die Tatsache, dass Frauen in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind. Ähnlich wie bei Busse lautet ihre These: Die meisten Frauen sind selbst schuld, dass sie so wenig Macht haben.

Natürlich sei die Kinderbetreuung in Deutschland katastrophal - Nachwuchs mithin Karrierebremse Nummer eins. Allerdings, schreibt Bierach mit Furor, studieren ihre Geschlechtsgenossinnen tendenziell auch lieber Kuschel-Fächer wie Pädagogik und Deutsch statt Betriebswirtschaft und Ingenieurswesen. Sie lesen Schmacht-Romane statt Fachbücher.

Und allen politischen Bekundungen zum Trotz vergeht vielen Frauen die Lust am Karrierekampf, wenn sie erst einmal Kind und Versorger am Haken haben. "Die meisten Frauen handeln offenbar nach der Auffassung: Sollen doch die Männer sich die Hände schmutzig machen", schreibt Bierach.

Anders als Busse polemisiert Bierach bisweilen heftig. Die sehr deutsche Haltung, dass Kinder ihre Mutter brauchen und in Tagesstätten verkümmern, nennt sie "ein immer noch hochtoxisches Erbe der Nazi-Jahre". Rot-grünen Frauenbeauftragten hat sie das Kapitel "Der Schwachsinn mit der Quote" gewidmet. Bierachs Fazit für Frauen im Management: Sie sollen sich den "Spielregeln der Macht" anpassen.

Die "Max"-Kolumnistin Ulrike Posche konzentriert sich dagegen auf eine besondere Spielart weiblicher Führungstugenden - und Karrieren. In ihrem Buch "Weibliche Übernahme" analysiert sie die Lebensläufe der mächtigsten Frauen Deutschlands. Prominente Unternehmenslenkerinnen wie Liz Mohn (Bertelsmann), Verlagserbin Friede Springer und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis haben und hatten demnach vor allem eins gemeinsam: Männer, die aus ihnen schon in jungen Jahren die perfekte Nachfolgerin formten.

Posche führt die Führungsstärke ihrer Protagonistinnen auf einen angeborenen Machtinstinkt zurück. Wenn solche Frauen die Macht erben, dann gelingt es ihnen häufig, das Vermächtnis ihrer Gatten zu bewahren. Gleichzeitig scharen sie aber gute Berater um sich, motivieren Mitarbeiter, kommunizieren offener. Sie führen "weiblich". Und mit viel Erfolg.

Ausgerechnet einer der wenigen Männer in der Riege der Frauenmanagement-Autoren geht die Sache besonders vorsichtig an. Die Ausgangsthese des Management-Beraters Claus von Kutzschenbach lautet: Frauen sind anders. Männer kämpfen miteinander um die Macht, können hinterher aber durchaus freundschaftlich ein Bier trinken gehen. "Wenn Frauen miteinander kämpfen, geht das meist weniger harmlos aus", schreibt Kutzschenbach.

Mit Witz erzählt er anekdotisch, wie die Geschlechter unterschiedlich Probleme lösen, anders kommunizieren und Gefühle zeigen. Um das zu belegen, hat er als Mann erst einmal fünf lange Interviews mit Führungsfrauen gemacht. Und er wendet das Pro und Kontra seiner Thesen bisweilen recht unentschlossen hin und her.

Sein Buch ist vor allem als Ratgeber gedacht. So empfiehlt Kutzschenbach den Chefs, sich vor allem um "weibliche Sensibilität" fürs Team zu bemühen, also beiden Geschlechtern gerecht zu werden. Ein hehres Ziel.

ANJA BUSSE: Zicken unter sich - Konflikte und Lösungen im weiblichen Konkurrenzkampf, Orell Füssli Verlag, Zürich 2004, 192 Seiten, 24,80 Euro

BARBARA BIERACH: Das dämliche Geschlecht - Warum es kaum Frauen im Management gibt, Piper Verlag, München 2004, 209 Seiten, 9,90 Euro

CLAUS v. KUTZSCHENBACH: Frauen, Männer, Management, Rosenberger Verlag, Leonberg 2004, 221 Seiten, 24,80 Euro

ULRIKE POSCHE: Weibliche Übernahme - Wie Frauen in Deutschland sich die Macht nehmen, Campus Verlag, Frankfurt 2004, 255 Seiten, 19,90 Euro

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