Manifesta 11
Mit Humor zu Einsicht

Wer mit Humor und Augenzwinkern auf die aktuelle Kunst schauen will, darf die Manifesta in Zürich nicht versäumen. Die elfte Ausgabe der Wanderbiennale setzt auf den Unterhaltungsfaktor.

ZürichDer Kellner im feinen Hotel Park Hyatt in Zürich bewegt sich bewusst und sehr aufmerksam. Aber das Auffälligste an ihm ist nicht die Noblesse seiner Fürsorge. Ein Signal setzt vielmehr ein neonrotes Textil, dem links Hemdbrust und Ärmel fehlen. Gebunden wird der schrille Überwurf mit einem dicken seitlichen Knoten.

Die Schleife wäre für Modebewusste zu dick. Sie führt aber den Kunstkenner auf die Spur zu Franz Erhard Walther (geb. 1939). Der Altmeister der textilen Performance verwandelt, so erklärt die Texttafel im Züricher Löwenbräukunst-Arreal, „das Auftreten eines Kellners teilweise in eine Skulptur, teilweise in eine laufende Arbeit.“

Der Künstler als Kurator

Willkommen im Herz der Manifesta 11, jener Biennale, die alle zwei Jahre an einem anderen Ort Begegnungen mit internationaler zeitgenössischer Kunst ermöglicht (bis 18.9.). 2014 in St. Petersburg, jetzt Zürich, 2018 Palermo, 2020 Marseille. Erstmals wurde kein Ausstellungskurator berufen, sondern der Künstler Christian Jankowski.

Was tut man für Geld?

Wer Jankowskis verspielt ironisches Werk kennt, das die Kunst und den Kunstmarkt aufs Korn nimmt, wird bei der Manifesta nicht enttäuscht. Die Schau in zwei Hauptspielorten (Löwenbräuarreal, Helmhaus) und (zu) vielen Satelliten in der Stadt hat durchaus einen Unterhaltungsfaktor. Denn der Künstler fragt ausgerechnet in der Bankenstadt Zürich: „ What People Do For Money“. Und das am Finanzplatz der Schweiz, wo man noch viel diskreter als irgendwo sonst über Geld, Werte und Konten spricht.

Geld verbindet alle und alles

Jankowski durchstreift aktuelle und historische Arbeitswelten. Er bringt Feuerwehrleute und Polizisten aus Zürich mit Künstlern aus aller Welt zusammen. Eine Hunde-Friseuse und eine Zahnärztin werden zu Sparringspartnern für internationale Künstler und Gastgeber für die Kunst. Sehr zum Leidwesen der Züricher Künstlerschaft, die sich ausgeschlossen fühlt. Das Spektrum der Kooperationen ist groß; nicht jedes so entstandene Werk wird Kunstgeschichte schreiben  „Geld ist etwas, was wie Kunst, Luft oder Sprache alle Menschen miteinander verbindet,“ sagt der schalkhafte Chef der Wanderbiennale.

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