Mann und Tanz
Rhythmisch führen

Harte Männer tanzen nicht - sagt der amerikanische Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Norman Mailer. Stimmt nicht, sagen die Fitness-Strategen und wollen Managern mit Haka und Aroha das Zappeln beibringen.

Frauen tanzen gern. Sie freuen sich an der Bewegung zu Musik, beim Paartanz am Körperkontakt. Sie sind auch in ihrem Element beim Aerobic, üben so lange ihre Schrittfolgen, bis sie auch die kniffligste Choreografie in den Griff bekommen und zählen auch noch die Kalorien, die der Tanzsport nebenbei verheizt.

Stramme Beine, einen gesunden Rücken und ein ausdauerndes Training für Herz und Kreislauf, das obendrein den Fettpolstern zu Leibe rückt - das will die Frau, die Tanz- und Aerobic-Kurse besucht. Und die Männer? Männer sehen das in der Regel so: Tanzen ist unbestreitbar ein Sport. So wie der Pudel unbestreitbar ein Hund ist. Aber: Tanzen ist unbestreitbar der Pudel unter den Sportarten.

Für die meisten Männer stellt sich denn auch die Gretchenfrage - wie er's denn mit der rhythmischen Bewegung hält - nicht: "Tough guys don't dance" - "Harte Männer tanzen nicht", das stellte der amerikanische Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Norman Mailer fest und machte 1984 gleich einen Buchtitel daraus.

Wenn die Triebe sich melden, gehen Männer aufs Parkett Ja, aber warum tanzen sie denn eigentlich nicht? Warum meiden Führungskräfte die Führung bei der paarweisen Betätigung und planen lieber Karriereschritte als Schrittfolgen für den Gesellschaftstanz? Klar, sie meiden den Stress, den ihnen die Führung bereitet. Auch das Schrittelernen ist ihre Sache nicht. Männer schauen lieber zu.

Und doch gibt es Ausnahmen: Die Herren lassen alle Hemmungen fahren und sich aufs Parkett zerren, wenn ihnen der Sinn nach Fortpflanzung steht. Doch ausgerechnet dann wird manchen ihr unharmonisches Körpergefühl besonders bewusst. Das kommt nicht gut an.

Vielleicht fehlt uns allen ein Stück Ureinwohner-Gewissheit, um den Körper wie eine Weide im Wind zu schwingen. Denn Männer legen alle Zurückhaltung gänzlich ab, wenn man ihnen martialische Geräte wie Stöcke oder Schwerter in die Hand drückt. Also, um andere zu erschrecken. Das scheint ein männlicher Urtrieb zu sein. Und sieht, ganz nebenbei bemerkt, auch nicht alberner aus, als maskuline Aerobic-Versuche.

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