„Margin Call“ im Kino
Von guten und bösen Bankern

Heute kommt „Margin Call“ in die deutschen Kinos. Das schwierige Vorhaben, die Finanzkrise zu verfilmen, gelingt hier sehr gut. Der Streifen mit Starbesetzung erinnert stark an die Pleite von Lehman Brothers.
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DüsseldorfBanker sind böse Menschen. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 gelten Risikobewerter, Spekulanten oder Portfoliomanager als Inbegriff der rücksichtslosen Gier. Sie haben damit in der öffentlichen Wahrnehmung den prototypischen Börsenmakler abgelöst – und würden dies nun gerne auch auf der Kinoleinwand tun. „Der große Crash – Margin Call“ beleuchtet einen der Schlüsselpunkte auf den Weg ins Beben der Märkte, das bis heute Verwerfungen nach sich zieht. Und inszeniert anstelle des legendären Ungetüms Gordon Gekko aus Oliver Stones „Wall Street“ eine ganze Investmentbank als Antagonisten.

Regisseur J.C. Chandor, der auch das Drehbuch verfasste, hat sich bei seinem Kinodebüt eines der komplexesten Themen der jüngeren Vergangenheit angenommen. Über weite Strecken widersteht er jedoch der Versuchung, das ganz große Fass aufzumachen. Als Anschauungsmaterial dient ein Zeitraum von lediglich 24 Stunden. Mitunter im Stil einer Dokumentation zeigt „Margin Call“ den Niedergang einer großen New Yorker Investmentbank, illustriert die dramatischen Entwicklungen unter dem Mikroskop und gibt dem Crash von 2008 Gesichter. Und die haben es in sich: Neuling Chandor darf die Veteranen Kevin Spacey, Jeremy Irons und Demi Moore ins Rennen schicken, unterstützt von Nachwuchskraft Zachary Quinto sowie den Charakterköpfen Paul Bettany und Stanley Tucci. Ein sehenswertes Ensemble.

Die Handlung beginnt mit einer, für sich genommen, unbedeutenden Entwicklung. Irgendwo in New York muss Eric Dale (Tucci), leitender Risikomanager einer großen Investmentbank, seinen Hut nehmen. Er ist nicht der einzige Analyst, der an diesem Tag seinen Job verliert. Fast zwei Jahrzehnte Firmenzugehörigkeit verschwinden in drei Monatsgehältern Abfindung und einem Pappkarton. Firmenhandy und sämtliche Zugänge werden aus Sicherheitsgründen gesperrt, er darf nicht einmal mehr eine Kalkulation beenden, die kurz vor ihrem Abschluss stand. Unter den Augen des Sicherheitspersonals wird Dale auf die Straße begleitet – ohne persönliche Worte, ohne einem der Chefs zu begegnen. Der Banker wird zur beliebigen Zahl im eigenen System.

Auf dem Weg nach Draußen läuft Dale aber noch seinem Zögling Peter Sullivan (Quinto) über den Weg. Der aufstrebende junge Banker erhält von seinem scheidenden Chef einen Datenstick, verbunden mit einem Arbeitsauftrag und einer diffusen Warnung. Während die „Überlebenden“, wie die verbleibenden Angestellten mehrfach genannt werden, mit gesenkten Köpfen zum Alltag übergehen, beackert Sullivan nach einigem Zögern die übergebenen Daten.

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