Marktbericht
Rekordpreise für Zero-Kunst

Der Boom der Zero-Kunst geht weiter. Der Düsseldorfer Maler Günther Uecker holt bei den Preisen für seine Kunstwerke auf, aber im internationalen Vergleich ist die deutsche Zero Kunst zurückgeblieben.
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LondonRekordpreise für Zero-Kunst in deutschen Auktionen im Frühsommer zeigten, dass der Aufschwung dieser Kunst noch keineswegs am Ende ist. Angefangen mit dem kleinen, in der Mittelachse verdichtete Nagelfeld von Günther Uecker auf einem 30 x 34 cm Holzbrett, 1968 für den Sammler Volker Kahmen genagelt. Bei Hauswedell & Nolte war es am 14. Juni mit 8.000 Euro ausgezeichnet, es wurde mit 42.000 Euro ausgerufen schraubte sich schnell, wie das Auktionshaus mitteilte, durch Telefongebote „aus dem In- und Ausland“ auf 295.000 Euro.

Den Weg für diesen Ausreißer bereitete ein Uecker-Rekordpreis eine Woche zuvor bei Ketterer in München, wo man zum 60. Jubiläum auch trendige Zero-Kunst anbot. Ueckers „Hommage an Fontana“ von 1962, ein Nagelfeld in einem Bleistiftkreis auf einem 110 x 85 cm großen Brett, war im Duett mit einem Lucio Fontana „Concetto spaciale“ angeboten, um die Verwandtschaft der Zero-Kunst mit den Raumbild-Konzepten der Italiener zu unterstreichen. Geschätzt waren 200.000 bis 250.000 Euro, durch süddeutsches Sammlergebot schraubte sich der Preis auf einen Rekord von 1,32 Millionen Euro.

„Der Markt für Zero ist super, aber die Werke aus den 1960er-Jahren sind schwer zu finden“, resümierte Sotheby’s Co-Direktorin für Gegenwarts- und Nachkriegskunst, Cheyenne Westphal und beantwortete dabei auch die Frage, warum die Werke in den Londoner Prestigeauktionen eher selten zu finden sind. Wobei es diesmal in den Tagauktionen bei Christie’s und Sotheby’s Uecker-Werke gab: Bei Sotheby’s bezahlte der amerikanische Handel für das Nagelfeld „Riss des künstlerischen Genius“ von 1987 die doppelte Schätzung von 674.500 Pfund.

Solche Zuschläge sind vielleicht auch Vorgriff auf Kommendes: Nach einer Serie von Retrospektiven in Deutschland zeigt das Guggenheim Museum im Herbst in New York die erste Zero-Überblicksausstellung in den USA – „Countdown to Tomorrow“. Sie dürfte nach der Versteigerung der Sammlung Lenz Schönberg bei Sotheby’s im Februar 2010 eine weitere Welle internationaler Aufmerksamkeit für die deutsche Zero-Art auslösen. In der Lenz-Auktion hatte der Spitzenpreis von 825.250 Pfund für das Uecker-Nagelbild „Haar der Nymphen“ und Toppreise für Kunst von Otto Piene und Heinz Mack der Zero-Zeit (1957-1966) einen Preisschub verschafft und auch in Deutschland das Interesse an der etwas in Vergessenheit geratenen Kunst erneuert.

Aber nicht alle der drei Kernkünstler profitieren in gleichem Maße davon. Mit 1,3 Millionen Euro liegt Ueckers Spitzenpreis dreimal so hoch wie der seiner Zero-Mitstreiter Otto Piene (420.000 Euro) und Heinz Mack (325.000 Euro). Von Uecker, dessen Nagelbilder und die aus ihnen abgeleiteten Prägedrucke als Auflagenwerke höchste Erkennbarkeit als „Markenkunst“ haben, werden auch Werke aus den 1980er-Jahren und später gut verkauft.

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Rekordpreise für Zero-Kunst

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Ehrendinner für Günther Uecker

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