Marktüberblick Antike
Die Vorlieben der Sammler

Auf dem Markt für antike Skulpturen sind ästhetische Qualität, erotisches Flair und makellose Herkunft wichtiger als das Alter. Paradestücke römischer und ägyptischer Kunst erzielen Spitzenpreise.
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BerlinDer Antikenmarkt hat viele Gesichter. Zurzeit wird er dominiert von der figürlichen Skulptur, die seit einem guten Jahrzehnt in den Spezialauktionen einen heftigen Preisschub erfährt. Dabei sind es weniger die frühen griechischen Artefakte als die römischen Marmorwerke, die Höchstpreise bringen.

Die römische Antike wird, obwohl sie in vielen ihrer heute so teuren Bildwerke nur Ausfluss einer produktiven Kunstindustrie ist, als Highlight westlicher Kulturgeschichte geschätzt, die mit der Sammelpolitik der Päpste, Kardinäle und Fürsten und der "Grand Tour" der europäischen Bildungsreisenden untrennbar verbunden ist.

Daneben stehen ägyptische Ausgrabungen weiter stark im Rampenlicht. Auch sie haben die europäische Geschmacksgeschichte seit Piranesis Radierfolge der "Cammini" und seit der napoleonischen "Retour d'Egypte" nachhaltig geprägt. Doch singuläre, gut erhaltene Stücke wie die Sandsteingruppe des Hohepriesters Ka-Nefer mit Sohn und Ehefrau zu Füßen, die im Dezember 2005 bei Christie's für 2,8 Millionen Dollar vom Kimbell Art Museum ersteigert wurde, oder die grausteinige Isis aus der XXVI. Dynastie, die im Oktober 2012 bei Christie's 3,7 Millionen Pfund erzielte, sind rar und bringen automatisch Millionenpreise.

Entscheidend für die Preisbildung sind heute mehr als die historische Bedeutung des Objekts seine Provenienz, Einzigartigkeit und ästhetische Ausstrahlung. Das gilt für alle Bereiche des Antikenmarkts. So sind Skulpturen mit erotischem Flair wie nicht gerade seltene römische Apollo-, Eros- oder Venus-Figuren trotz ihrer oft fragmentarischen Erhaltung absolute Selbstläufer.

Im Juni 2012 kam ein Venus-Torso mit ausgeprägtem Venushügel bei Christie's auf 482 500 Dollar, nachdem schon im April 2010 im selben Auktionshaus ein sensueller Satyr derselben Epoche (1. - 2. Jahrhundert n. Chr.) auf 577 000 Pfund gestiegen war. Der blank polierte Torso eines Narcissus in sinnlicher Kontrapost-Pose, der im Dezember 2012 bei Sotheby's auf 40 000 bis 60 000 Dollar geschätzt war, brachte es auf 242 500 Dollar.

Auf dem Auktionsmarkt war das Jahr 2007 ein absolutes Ausnahmejahr, in dem Sotheby's in seiner New Yorker Juni-Auktion für 119 Lose 47,2 Millionen Dollar erlöste. Die von der Albright-Knox Art Gallery in Buffalo in die Auktion eingelieferte Bronzeskulptur der Göttin Artemis mit Hirsch aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert ging damals für 28,6 Millionen Dollar in europäischen Privatbesitz. Dieser Rekordpreis wurde im Dezember desselben Jahres bei Sotheby's noch getoppt. Damals spielte ein nur acht Zentimeter großes, 5 000 Jahre altes Sandstein-Figürchen einer Löwin mit menschlichen Gliedern aus der proto-elamitischen Kultur des heutigen Iran 57 Millionen Dollar ein.

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    Francesco Sinibaldi

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