Martin Mosebach ausgezeichnet
Büchner-Preis für "genialen Formenspieler"

Einen „Schriftsteller, der stilistische Pracht mit urwüchsiger Erzählfreude verbindet“, würdigt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Der diesjährige Georg-Büchner-Preis geht an den Romanautor Martin Mosebach. Vor sieben Jahren feierte der Frankfurter Schriftsteller seinen Durchbruch mit „Eine lange Nacht“.

HB DARMSTADT. Der 55-jährige Mosebach habe in seinen Werken ein Geschichtsbewusstsein bewiesen, das sich weit über die europäischen Kulturgrenzen hinaus erstrecke, so die Akademie. Die Darmstädter Jury bezeichnete den Autor als „genialen Formspieler auf allen Feldern der Literatur“. Darüber hinaus sei er ein Zeitkritiker von unbestechlicher Selbständigkeit. Der mit 40 000 Euro dotierte Büchner-Preis ist die bedeutendste literarische Auszeichnung in Deutschland. Der Preis soll Mosebach am 27. Oktober während der Herbsttagung der Akademie in Darmstadt verliehen werden.

Mosebach wurde 1951 in Frankfurt am Main geboren, wo er noch heute lebt. Der Sohn eines Arztes schloss sein Jurastudium 1979 mit dem Zweiten Staatsexamen ab. Seit 1980 lebt er als freier Schriftsteller in seiner Heimatstadt. An seinen Werken wurde immer wieder die präzise Form gelobt. Schon sein Romandebüt „Das Bett“ erinnerte die Kritiker 1983 an Robert Musil und Thomas Mann.

Der Durchbruch auf dem Buchmarkt gelang Mosebach im Jahr 2000 mit dem Roman „Eine lange Nacht“. Die in Frankfurt am Main spielende Geschichte vom kuriosen Werdegang eines gescheiterten Juristen wurde von der Kritik begeistert gefeiert, der Autor als großer Erzähler gewürdigt. Auf einhelliges Lob stieß auch das nachfolgende Werk „Der Nebelfürst“, ein Roman über einen Hochstapler, der im Kolonialfieber des ausgehenden 19. Jahrhunderts versucht, eine wertlose Insel im Polarmeer zu verkaufen.

Sein jüngster Roman „Der Mond und das Mädchen“ wird am 4. August dieses Jahres erscheinen. Mosebach, der auch über seine Heimatstadt Frankfurt, die Frankfurter Eintracht sowie alte und moderne Kunst schrieb, ist als Autor nicht unumstritten. Als der österreichische Autor Peter Handke bei der Beerdigung des früheren serbischen Machthabers Slobodan Milosevic eine Rede hielt, äußerte Mosebach Verständnis.

2002 veröffentlichte der bekennende Katholik unter dem Titel „Häresie der Formlosigkeit“ eine Streitschrift für die Wiedereinführung der lateinischen Messe. Mosebach musste sich daraufhin öffentlich den Vorwurf gefallen lassen, ein Reaktionär zu sein. Der 55-Jährige wurde in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt. So ist er Träger des Kleist-Preises und erhielt im vergangenen Jahr den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%