Martin Roth
Berufung durch den Premier

Martin Roth übernimmt die Leitung des Victoria and Albert Museum in London. Der Chef der Staatlichen Dresdener Kunstsammlungen ist der erste Deutsche an der Spitze eines britischen Top-Museum.
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Düsseldorf Das Sächsische Kulturministerium reagierte laut dpa überrascht: Martin Roth, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, wird Chef des Victoria and Albert Museums. Bereits am 1. September soll der 56-Jährige in London antreten. Sein Vorgänger, Sir Mark Jones, wechselt im Juni an ein College in Oxford.

Roth ist der erste Deutsche an der Spitze eines britischen Top-Museums. Berufen wurde er durch den britischen Premierminister und das Kuratorium des Museums. Das nach Königin Victoria und ihrem Mann Albert benannte Victoria and Albert Museum gilt als weltweit größte Sammlung von Kunst, Kunstgewerbe und Design. Über 1 Million Werke aus über 3.000 Jahren sind hier zuhause, von der antiken Keramik über asiatische Plastik, britische und europäische Malerei bis zur Mode, Zeichenkunst und Fotografie.

Herkules-Aufgaben in Dresden bewältigt

Der britische Kulturminister Ed Vaizey hieß den deutschen Kulturwissenschaftler willkommen. Er vertraue darauf, dass seine Erfahrung, sein Wissen und Engagement für die internationale Kunst für Großbritanniens Nationalmuseum von großem Gewinn sein werde. Paul Ruddock, Vorsitzender des Kuratoriums, zeigte sich beeindruckt von Roths Führungsqualitäten und seiner Fähigkeit, komplexe Institutionen zu managen.

2001 hatte Roth die Staatlichen Kunstsammlungen übernommen und gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine Herkules-Aufgabe bewältigt. Das Jahrhunderthochwasser der Elbe von 2002. Bei insgesamt zwölf Museen unter staatlichem Dach waren weitere Kraftakte programmiert. Neben dem Erhalt und modernster Präsentation der wertvollen Sammlungen war es vor allem der Neu- und Umbau der Albertinums, mit dem der gebürtige Stuttgarter das Profil der Dresdener Schätze sowohl schärfte als auch bereicherte. Und das trotz wahnwitziger Sparmaßnahmen, die mit hohen Stellenstreichungen verbunden waren. Wie lassen sich Bereiche zusammenlegen und Kosten senken, ohne, dass die Inhalte leiden, waren seine Hauptsorgen in den letzten Jahren. Zuletzt war der renommierte und international bestens vernetzte Museumsleiter im Zusammenhang der von ihm mit verantworteten Ausstellung "Die Kunst der Aufklärung" in Peking in die Kritik geraten, vor allem wegen seiner Äußerungen über den verhafteten und verschwundenen chinesischen Künstler Ai Weiwei.

Martin Roth, der sich zurzeit in Kanada aufhält, freut sich auf seine neue Aufgabe und insbesondere darauf, dass er nun nur noch eines statt zwölf Museen managen muss. Eine leichte Entscheidung sei es jedoch nicht gewesen, Dresden den Rücken zu kehren.

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