Maßgeschneiderte Aktentaschen
Luxus aus der Babbscherbude

Maßgeschneidert ins Büro: Was der Business-Mode recht ist, gilt jetzt auch für exklusive Aktentaschen. In einem Hinterhofhäuschen fertigt Bernd Kreis die Utensilien des Erfolgreichen aus Pferdeleder – individuell nach Kundenwunsch.

DÜSSELDORF. Obertshausen war einst das China der Lederindustrie. Während in der Nachbarstadt Offenbach teuer produziert wurde, fertigten die Handwerker in dem kleinen Rodgauer Ort Lederwaren in Heimarbeit zu Dumpingpreisen für die Offenbacher Fabriken. Und als die Offenbacher Gewerkschaftler durchsetzen konnten, dass einheimische Lederarbeiter eingestellt werden mussten, bevor Heimarbeiter im Umland beschäftigt wurden, machten sich die Hinterhofbetriebe jenseits der Stadtgrenzen kurzerhand selbstständig. Am Küchentisch wurden Brieftaschen, Etuis, Gürtel genäht und geleimt, dann stellten die Täschner kleine Gewerbehäuschen in die Hinterhöfe, die Babbscherbuden, wie sie im örtlichen Dialekt heißen.

In den meisten Babbscherbuden ist das Licht längst ausgegangen. Die Konkurrenz aus Niedriglohnländern war zu erdrückend. Doch in einem Hinterhofhäuschen in der Rathenaustraße riecht es immer noch nach Harz, Metall, Weide und nach Klebstoff. Auf einem Tisch stapeln sich matt glänzende Lederlappen. Bernd Kreis fährt mit zwei Fingern darüber und deutet auf einen spiegelverkehrten Buchstaben: „Hier sieht man, woher das Leder kommt.“ Nämlich vom Pferd. Die Textur ist ein Brandzeichen. Nur zwei Teile aus den Hinterbacken können zu „Cordovan“ verarbeitet werden. Und Kreis fertigt aus den seltenen Lederstücken Gürtel und exklusive Aktentaschen.

Er stolperte quasi über das besondere Material. Schul- und Studienfreunde hatten ihre ersten lukrativen Jobs, und mit den guten Gehältern kamen die Pferdelederschuhe. Warum nicht Gürtel und Accessoires auch aus dem edlen Material herstellen, dachte sich Kreis. Seine Kollegen hatten bislang die Finger davongelassen: Die Stücke sind kaum A3-groß und die Preise dabei so hoch wie für über einen Quadratmeter Rindsleder. Pferdeleder in perfekter Qualität fertigt weltweit nur Horween aus Chicago. Ihre Leder hängen sechs Monate mit Rinden und Hülsenfrüchten zum Gerben in Gruben. Danach werden sie gefärbt und gefettet und erhalten so ihren edlen matten Glanz.

Heute näht Kreis zwischen 250 und 300 Taschen im Jahr. Die meisten seiner Kunden wollen dabei keine Mappe von der Stange, sondern Einzelanfertigungen. Ein Kunde gab bei der Bestellung ein Paket seiner Lieblingszigarettenmarke mit – dafür sollte ein Fach vorgesehen werden. Ein Tierarzt bestellte Fächer für Arzneiampullen und ein Architekt ein Sonderformat für seine Baupläne. Kreis musste lange suchen, bis er zwei Lederstücke in der entsprechenden Größe gefunden hatte.

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