Masterpiece
Augenschmaus für Männer

Die „Masterpiece“ präsentiert Kunst als ultimatives Luxusgut. Es ist die Messe für den globalen Flaneur, der beim Schlendern durch die breiten Gänge an jeder Ecke auf einen neuen Kitzel stoßen will.
  • 0

LondonWo im letzten Jahr das Spitfire-Kampflugzeug stand, steht nun das "Gagosian-Projekt". Um die Teilnahme des New Yorker Mega-Händlers an Londons Mega-Kunstmesse "Masterpiece" wurde viel Geheimnis gemacht. Aber Gagosian steuert lediglich die 2,50 Meter große Damien-Hirst-Statue "Saint Bartholomew, Exquisite Pain" bei, den Heiligen mit abgezogener Haut nach dem Michelangelo-Gemälde der Sixtinischen Kapelle. Da die Messe keinesfalls asketischer Selbstkasteiung verpflichtetet ist, handelt es sich um das Exemplar aus vergoldetem Silber.

Vielleicht ist der Wandel von Spitfire zu Hirst ein Zeichen, dass die dritte "Masterpiece" mehr Wert auf die höheren Weihen der Kunst legt. Aber festlegen lassen will sich diese Messe nicht, die höchste Kunstansprüche ungeniert mit schamlosem Luxus verbindet. Flugzeuge fehlen, aber man kann hier mit Experten von "Shaw Speed & Custom" über eine handveredelte Harley-Davidson verhandeln. Von 40 000 Pfund aufwärts kostet es, um eine technisch absolut aktuelle Harley-Davidson zu einem künstlerischen Unikat veredeln zu lassen, etwa als Oldtimer der 1940er-Jahre.

"Toys for the Boys" ist eine Spezialität der Messe. 160 Teilnehmer, darunter die kaum überschaubare Schar von Schmuck- und Juwelenhändlern, aber irgendwo ist in der Masterpiece immer noch die alte Grosvenor-Messe versteckt, aus deren Asche sie wie ein Phönix aufstieg. Man erkennt die "Londoner Mischung" - alte englische Möbel, Silber, Standuhren, Schmuck und Porzellan. Darüber liegt die Schicht von neuem, ostentativ globalem Luxus.

In Maastricht auf der Tefaf ist Kunst noch Teil von Bildung, Gelehrsamkeit, Geschichtsbewusstsein und alteuropäischer Kultur. Masterpiece zieht radikal die Konsequenz aus der Globalisierung des Geschmacks und ist als alle Sinne attackierender Abenteuer-Parcours organisiert. Dies ist die Messe für den globalen Flaneur, der beim Schlendern durch die breiten Gänge an jeder Ecke auf einen neuen Kitzel stoßen will. Wer sich aufmacht, nach einem Alten Meister zu fahnden, wird unterwegs auf ein Paar superelegant gekurvter Sektkübel von Georg Jensen stoßen, die beim Silver Fund 220 000 Dollar kosten.

Seite 1:

Augenschmaus für Männer

Seite 2:

Exzellenter Ruf der Messe bei Händlern

Kommentare zu " Masterpiece: Augenschmaus für Männer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%