Masterpiece Messe

Im Jagdrevier von Kitsch und Kunst

Auch Milliardäre sollen sich auf der „Masterpiece Fair“ in London wohlfühlen. Deshalb setzt die Kunst- und Antiquitätenmesse auf einen anregenden Mix der Gattungen, in dem auch gold- und silberglänzende Trophäen nicht fehlen dürfen. Daneben gibt es jede Menge außergewöhnlicher und unkonventioneller Stücke zu entdecken.
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Blick auf die spiegelnde Schauwand für das Schwanenservice auf dem Stand des Münchner Kunsthandels Röbbig. Quelle: Kunsthandel Röbbig München

Blick auf die spiegelnde Schauwand für das Schwanenservice auf dem Stand des Münchner Kunsthandels Röbbig.

(Foto: Kunsthandel Röbbig München)

LondonDer Londoner „Masterpiece Messe“ gelingt in ihrem fünften Jahr so etwas wie die Quadratur des Kreises: Sie ist zugleich würdiger und fröhlicher, abwechslungsreicher und seriöser, sie bietet mehr Kunst, aber auch mehr Kitsch als je und alles in der bunten Grauzone dazwischen.

Gegründet wurde die Masterpiece als Jagdrevier für die vom modernen Handel so geliebte „Cross Over Collectors“, die eklektizistisch die Epochen und Stile mischen. „Wir wollen das Beste der besten Händler quer durch die verschiedenen Kunstgattungen in der besten Zeit des Jahres am besten Ort der Welt anbieten“, bringt Messechefin Nazy Vassegh das Konzept auf den Nenner. Anders als die konkurrierende „Frieze Master“ mit ihrem Insistieren auf feine Kunst wird hier multidisziplinäre Vielfalt groß geschrieben. Museumskuratoren sind willkommen, aber eben auch die Gelegenheitssammler und „Decorators“, die am überschäumenden Londoner Häusermarkt gerade wieder Hochkonjunktur haben. Eben Shopping auf höchstem Niveau.

Selbstporträt aus silbernen Reptilien

Die Messeleitung will weniger offensichtlich auf den ostentativen Geschmack der dicken Superscheckbücher schielen als in früheren Ausgaben, die „Masterpiece“ den dubiosen Ruf eines Mekka des „Bling“ einbrachten. Aber ganz kann man es sich doch nicht verkneifen. Warum auch. Wir sind in der Stadt mit den meisten Milliardären der Welt und auch sie sollen sich auf der Messe wohlfühlen.

So glänzt es von Gold und Silber. Nicht nur an den exquisiten Ständen der zahllosen Juweliere. Goldig geht es gleich am Eingang zu, wo die Galerie Osborne Samuel die Goldversion von Marc Quinns Kate Moss als Yogakünstlerin mit dem Titel „Sirene“ zeigt (über 1 Million Pfund). Neben der Bar hat Blain & Southern wieder einen Stand mit nur einem Werk bezogen und zeigt ein neues Selbstporträt von Tim Noble & Sue Websters als Schattenbild. Dabei ist die Schattenwerfende Skulptur aus toten Reptilien gemacht, die in massivem Silber gegossen sind. 30 Kilo soll das ganze wiegen, für 200.000 Pfund ein Schnäppchen. Das Unikat wurde eigens für die Messe entwickelt und heißt – „Masterpiece“.

Schwanenservice für über 2 Millionen
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