Matthias Erntges Galerieeröffnung gegen den Trend

Galerien für zeitgenössische Kunst werden andernorts eher dichtgemacht. Nicht aber in Düsseldorf. Die Stadt hat viele Künstler und gute Galerien. In dieser Woche macht Matthias Erntges seine eigenen Räume auf.
Kommentieren
Blick in die neu eröffnete Galerie von Matthias Erntges in Düsseldorf mit Werken von Christoph Bucher (li.), Hans Schulte (Mi.), Lilla von Puttkamer (re.) und die Bildhauerin Maren Maurer (Boden). Quelle: Matthias Erntges Galerie
Harmonie der Gegensätze

Blick in die neu eröffnete Galerie von Matthias Erntges in Düsseldorf mit Werken von Christoph Bucher (li.), Hans Schulte (Mi.), Lilla von Puttkamer (re.) und die Bildhauerin Maren Maurer (Boden). Quelle: Matthias Erntges Galerie

DüsseldorfWährend in Berlin und Köln immer wieder gute Galerien schließen müssen, ist in Düsseldorf gerade eine neue Galerie dabei, zu eröffnen. Matthias Erntges weiß, auf was er sich einlässt. Der Galerist und Salonbetreiber ist in der Szene verwurzelt und hat sich mit sorgsam kuratierten Ausstellungen in Off-Räumen einen Namen gemacht.

Erntges kennt Gott und die Welt, sowohl unter den zahlreichen Künstlern in der Akademiestadt, als auch andernorts, dazu viele Sammler und Kunstfreunde, die einen eigenen Geschmack pflegen und nicht den „Must-Haves“ der Contemporary-Auktionen hinterherhecheln wollen.

Am 9.und 10.Mai 2015 wird ein gut dimensionierter Raum in einem Hinterhof in Düsseldorf-Bilk unweit der zum Flanieren und Essengehen einladenden Lorettostraße eröffnet. „Der erste Blick“ heißt das Opening zwar bescheiden, doch das Debüt versteht zu überraschen. Denn die zwei Künstlerinnen und ihre zwei Kollegen vertreten höchst unterschiedliche Richtungen. Gleichwohl ist es dem Kurator gelungen, einen Raum der Kunst zu inszenieren, der als ganzer besteht und zum Schauen verführt.

"Cut, Structure" c hangiert zwischen Bild und Relief (4.700 Euro). Hans Schulte arbeitet mit einer speziellen, elastischen Farbe und tiefen, geradezu plastischen Schnitten im Bildgeviert. Quelle: Matthias Erntges Galerie
Hans Schulte

"Cut, Structure" changiert zwischen Bild und Relief (4.700 Euro). Hans Schulte arbeitet mit einer speziellen, elastischen Farbe und tiefen, geradezu plastischen Schnitten im Bildgeviert. Quelle: Matthias Erntges Galerie

Walfisch in Farbwolken

Eher figurativ ausgerichtet arbeiten die Malerin Lilla von Puttkamer und die Bildhauerin Maren Maurer. Ganz der Abstraktion haben sich Christoph Bucher und Hans Schulte verschrieben. Doch so wie die vier den Raum im ersten Stock bespielen, werden auch Gemeinsamkeiten sichtbar.

Puttkamers Großformat „Walfisch“ besteht zwar aus dynamischen lila-braunen Farbwolken, doch sind ganz fein Menschen und ihre Verbindungslinien eingezeichnet - surreal wie in einem Traum geschaut (Acryl auf Nessel, 7.800 Euro). Das Kolorit des „Walfisch“-Bildes findet sein Echo in der Suite von ruhigen Bildern ohne Narration von Hans Schulte, in denen die Purpurfarbe "Caput mortum" wieder vorkommt (1.200 Euro).

Christoph Bucher bändigt das Chaos

Christoph Bucher: zartes Bild ("o. T.") auf durchschimmerndem Holz.  Quelle: Matthias Erntges Galerie
Dialog mit der Natur

Christoph Bucher: zartes Bild ("o. T.") auf durchschimmerndem Holz. Quelle: Matthias Erntges Galerie

Das Besondere an Schultes Minimalismus ist bei den größeren Bildern „Cut“ ein Changieren zwischen Bild und Relief (4.700 Euro). Hervorgerufen durch eine spezielle, elastische Farbe und durch tiefe, geradezu plastische Schnitte im Bildgeviert, sprengt die Arbeit hier die zu engen Gattungsgrenzen. Und wer lange genug schaut, erkennt, dass es nur so tut, als stelle es einen gemalten Rahmen für die Projektionen des Betrachters bereit.

Den Zufall ins Bild holen

Um das Nachdenken über die Malerei heute und nicht um Abbildlichkeit geht es auch Christoph Bucher. Stets „ohne Titel“ holen Buchers komplexe Schichtungen fast transparenter schwarzer Farbe den Zufall ins Bild und regen die Phantasie des Betrachters gehörig an. Mir kommen seine stereometrischen Körper – ursprünglich das, was vom Zuschneiden der Bildträger in Birke, Buche oder Ahorn übrig blieb – stets wie das von Meisterhand gebändigte Chaos vor. Die zarten Bilder auf durchschimmerndem Holz sind für mich deshalb die Aufforderung, das tägliche Chaos unverzagt anzugehen (1.900 bis 4.800 Euro).

Kunst der Augentäuschung

Durch den wunderbar patinierten Bronze-Abguss mitteldicker Äste, die im Galerieraum lässig am Boden liegen, führt Maren Maurer zurück in die Kunst der Augentäuschung und das Spiel mit der Wahrnehmung von Realität und Illusion. Und startet nebenbei einen Dialog über die Natur in der Kunst mit Buchers holzsichtigen Tafeln. In einer Dreierauflage soll Maurers Installation 24.000 Euro kosten.

Mit nur elf starken Arbeiten und überraschenden Korrespondenzen macht die Ouvertüre neugierig auf die Register, die der Galerist Matthias Erntges noch ziehen wird.

„Der erste Blick“, ab 9./10.Mai 2015, Matthias Erntges: Kunstprojekte - Galerie – Salon, Bürgerstraße 22, 40219 Düsseldorf, am Eröffnungswochenende von 14 bis 20 Uhr, ansonsten Mi. bis Fr. 13 bis 18 Uhr, Sa. 12 bis 14 Uhr

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Matthias Erntges: Galerieeröffnung gegen den Trend"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%