Matthias Horx
„Die Welt wird nicht schlechter“

LEIPZIG. Matthias Horx hat mit "Anleitung zum Zukunfts-Optimismus" ein Buch veröffentlicht, in dem er aufzeigen will, dass die Katastrophenmeldungen zu Klima, Demographie, wachsender Gewalt oder der Globalisierung lediglich "Märchen" sind. Seine These: Die Welt wird nicht schlechter, sie wird nur so dargestellt.

Handelsblatt: Sie beschreiben die Medien als „Angstmaschine“. Kann man ihr Buch auf das Stichwort Medienkritik bringen?

Matthias Horx: Ja, aber das ist natürlich nur ein Teil. „Anleitung zum Zukunftsoptimismus“ versucht ja zwei Sachen: Zum einen kognitionspsychologisch einzuordnen, warum wir so empfindlich sind für kollektive Ängste. Ich beschreibe, mit welchen psychologischen Mechanismen da gearbeitet wird – auch von den Medien. Damit soll auch ein Selbsterkenntnisprozess beim Leser eingeläutet werden, denn letztendlich geht es mir darum, dass die Menschen realitätstüchtiger werden.

Der zweite Teil des Buches ist der Versuch, die im kollektiven Bewusstsein angestauten Angst-Phänomene systemisch zu zerlegen – vom Waldsterben über die “Demographische Katastrophe“ bis zur Klima-Angst. Zu fragen, ob das überhaupt so katastrophal ist, wie es uns immer dargestellt wird, wie die wirklichen Prozesse in die Zukunft laufen könnten. Es ist ein Sachbuch darüber, dass eben die Welt nicht schlechter wird. So versuche ich auch zu argumentieren.

Sie sprachen in ihrem Vortrag auf der Buchmesse von der „German Angst“. Warum ist der Alarmismus in Deutschland so besonders ausgeprägt?

Weil wir ein anderes historisches kulturelles Erbe zu tragen haben als andere Nationen. Deutschland ist der Ursprung der Romantik. Durch die nie erfolgte demokratische Revolution in Deutschland hat sich über Jahrhunderte eine „Kultur der Innerlichkeit“ entwickelt, die im Kern anti-modern und naturromantisch ist.

Der andere Punkt ist: Wir sind traumatisiert durch das vergangene Jahrhundert, durch die ungeheuren Zivilisationsbrüche, durch die Weltkriege und das Dritte Reich. Wir trauen dem Frieden nicht, wir trauen dem Wohlstand nicht, wir glauben, dass es sich um extrem prekäre Prozesse handelt, die letztendlich eher Ausnahmeerscheinungen in der Geschichte sind, weil wir das so historisch erlebt haben.

Ist nicht eher die Friedensphase eine Ausnahme? Es gibt in der Geschichte immer wieder Kriege und negative Entwicklungen.

Die kriegerischste Gesellschaft war die tribale Gesellschaft. Die berühmten Indianer, die angeblich so friedlich waren, haben sich gegenseitig abgeschlachtet. Tribale Aggressionen können sie auch heute noch erleben, Sie brauchen sich nur Darfur oder den Balkan anzuschauen. Aber Zivilisation und Demokratie bedingen auf lange Sicht die Moderation von kriegerischen Prozessen. Das kommt mühsam und langsam, aber letztlich doch kräftig voran.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit sind so wenig Menschen durch kriegerische Gewaltakte gestorben. Ich glaube, wir werden in diesem Jahrhundert auch lernen, eine Welt-Polizei zu entwickeln, die die grundlegenden Menschenrechte überall auf dem Planeten garantiert. Das ist letzten Endes die Konsequenz der Globalisierung.

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