Max Raabe
Charme und Bass-Saxofon

Der Mann hat wirklich gute Laune und sprüht vor Optimismus. „Hoffnungsfroh, aber auch mit wohlig bangem Schauer sehe ich unserem Konzertgastspiel in der Carnegie Hall in New York entgegen“, sagt Max Raabe beim ausgiebigen Tee im gemütlichen Café-Restaurant „Manzini“ in Berlin-Wilmersdorf. Und fügt mit trockener Ironie hinzu: „Größenwahn spare ich mir für danach auf.“

HB DÜSSELDORF. Würde der Sänger tatsächlich zum Größenwahn neigen, er hätte längst Veranlassung genug gehabt. Raabe und sein brillantes Palast Orchester sind schon weit herumgekommen, sie begeisterten 18 000 Zuhörer in der Berliner Waldbühne und 40 000 auf dem Wiener Heldenplatz, sie triumphierten in Zürich, Paris, Rom und Moskau. Auch in Los Angeles, Atlanta und Palm Springs kennt man die Berliner Musiker bereits.

Es ist also nicht so, dass Raabe & Co. zum ersten Mal den Sprung über den Großen Teich wagten. Aber ein Auftritt in der Carnegie Hall, das ist ein bisschen wie der Einzug in den Olymp. Auch wenn es sich nur um den mittleren Saal mit 650 Plätzen handelt. Die schon so gut wie ausverkauft sind. Am 30. November findet das denkwürdige Konzert statt.

Tags drauf treten die Berliner dann in Philadelphia auf. Und am heutigen Freitag schon beim Bundespresseball in ihrer Heimatstadt.

Vorausgegangen war ein New Yorker Solo-Gastspiel Raabes mit seinem Pianisten Christoph Israel im April vorigen Jahres. Sie gaben drei Abende in der „Neuen Galerie“, einer alten Villa in der Nähe des Metropolitan Museums. Der Kammermusik-Saal war erstaunlicherweise jedes Mal voll, obwohl nichts in den Zeitungen stand. Raabe konnte damals wichtige Kontakte knüpfen, und so öffneten sich schließlich die Türen zur Carnegie Hall.

„Bei unseren ersten Konzerten in Amerika 1998“, erzählt der Künstler, „waren viele Emigranten und alte Leute im Publikum, bei denen diese Musik wehmütige Erinnerungen an ihre Jugend in Deutschland wach rief.“ Später kamen auch mehr und mehr ganz „normale“ Amerikaner. Sie interessiert das Deutschland der 20er- und frühen 30er-Jahre, die spannende Zeit der Weimarer Republik.

Raabe baut diesem Publikum auch in seinen wohl überlegten Conférencen die notwendigen kleinen Brücken. Gibt die eine oder andere komische Liedzeile („Deine wasserblauen Augen kontrastieren so futuristisch mit dem juchtenlederbraunen schlichten Haar“) auf Englisch wieder. Oder erzählt, dass einer wie der Unterhaltungs-Komponist Walter Jurmann („Veronika, der Lenz ist da“) ins amerikanische Exil ging, wo er später Filmmusiken schrieb, etwa für die „Meuterei auf der Bounty“.

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