Maximiliane Rieder schreibt über die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen
Wenn Hitler mit Mussolini über Kohle stritt

Hitlers Wirtschaftsplaner misstrauten Mussolinis Beamten, wenn diese in Berlin ihren Importbedarf für Kohle, Öl und wichtige Rohstoffe anmeldeten. Sie unterstellten, dass der Verbündete den Bedarf absichtlich überschätzte. Also machten sie Abstriche. Rom klagte dann über Betriebs- und Bahnstopps wegen Energiemangel. Die Deutschen würden nicht einmal das wenige liefern, was sie zugesagt hätten.

HB MAILAND. Deutschlands Zusammenbruch im Mai 1945 gilt als die "Stunde null". Auch in der Wirtschaft und den Wirtschaftsbeziehungen erscheint uns alles, was danach kam, anders und neu. Allerdings weist die Autorin Maximiliane Rieder in ihrem Buch über die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen zwischen 1936 und 1957 auch erstaunliche Kontinuitäten nach. Der Wirtschafts- und Finanzaustausch beider Länder, der sich ab 1948 in Riesenschritten entwickelte, war tatsächlich keine reine Nachkriegsneuschöpfung. Vor allem die Industrie aktivierte noch vor der Politik und oft als ihre Wegbereiterin alte Kontakte.

Einige Konstanten in den deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen lassen beide Länder als fast ideale Partner erscheinen. Das gilt unabhängig davon, ob etwa eine römische Regierung von einem Ex-Kommunisten oder einem Rechtsliberalen geführt wird oder ob in Berlin Rot-Grün oder Schwarz-Gelb regieren.

Der Autorin ist eine historische Darstellung der deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen gelungen, die den Bogen zwischen Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegslage schlägt. Parallel schildert sie die politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen der beiden auf Autarkie eingeschworenen Diktaturen. Manager, Bürokraten oder Parteigewaltige ziehen ihre Fäden. Sie drohen, erpressen, reagieren so effizient wie Albert Speer oder so unlogisch wie Adolf Hitlers Parteihierarchie.

Dann wieder sehen wir hinter einer Statistik die Luftschlösser der Diktaturen. So hätte etwa Italien nach wirtschaftlich-technischen Voraussetzungen vor 1943 überhaupt keinen Krieg aushalten können. Die Eisenbahnen über die Alpen reichten von vornherein nie und nimmer aus, um bei einer Sperrung des Mittelmeers Italiens Energiebedarf zu sichern. Das Schicksal des Duce war also in der Wirtschaft schon besiegelt, als er 1940 seine Truppen gegen Frankreich antreten ließ.

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