Megachurches
Religion als Selbstbedienungsladen

Selbst das Kreuz hat einem dynamischen Logo Platz gemacht. Das einzige Sakrament dieser Kirche ist eine große Ton- und Lichtanlage. Die „worship experiences“ – so nennt Victory-Church-Gründer Marc Crow seine Gottesdienste vor mehreren Tausend Menschen – werden im » Internet übertragen.

„Einkaufszentrum und Kirche haben fusioniert“, erklärt Stark. Überkonfessionelle Megakirchen bieten Religion für die Konsumenten-Gesellschaft. Gottesdienste sind eine Show, die Kirche wird zum Selbstbedienungsladen. Im umfunktionierten Einkaufszentrum gibt es eine Buchhandlung und ein Schnellrestaurant. Für jede Altersgruppe und jede Lebenslage bieten die 65 Mitarbeiter von Victory Church betreute Gruppen an: zum Beispiel für Männer, die ihre Fressgier überwinden wollen, oder für Frauen, „um die Weiblichkeit, die Gott geschaffen hat und schätzt, anzunehmen und zu zeigen“.

Was geht in den Menschen vor, die in umfunktionierten Einkaufzentren vor riesigen Videoleinwänden sitzen und sich von Laienpredigern den Weg zu Gott zeigen lassen? David Stark befürchtet, dass sie die religiöse Befriedigung, die ihnen versprochen wird, nicht wirklich finden. Der nach Gott suchende Mensch ist nämlich nicht mit einem Konsumenten gleichzusetzen.

Diese spezifisch amerikanische Spielart der Religion als Teil der konsumistischen Alltagkultur ruft in Europa Unverständnis oder sogar Verachtung hervor. Stark hält es für sehr unwahrscheinlich, dass Megakirchen sich in einer stark säkularisierten Gesellschaft wie Deutschland etablieren könnten. Doch möglicherweise sind sie, so Stark, ein Indiz eines über Amerika hinausgehenden gesellschaftlichen Trends, nämlich des Ausgreifens des Unternehmertums in Bereiche, „wo es eigentlich nichts verloren hat“.

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