Mein Beruf
Die Wohnkosmetikerin

Auf- und Umräumen ist für Constanze Köpp keine lästige Pflicht - sondern ihr Beruf. Sie macht aus einer Wohnung ein Zuhause. Wenn die Aufräumerin die Ärmel hochkrempelt, kennt sie nur ein Ziel: Freiraum schaffen!

DÜSSELDORF. Energisch rückt Constanze Köpp Schubladen voller Krempel, überquellenden Zeitungsständern und nostalgiebehafteten Staubfängern zu Leibe. Sie verschiebt Sofas, findet den perfekten Platz für einen alten Sekretär, stellt Kerzen auf und lässt Häkelgardinen verschwinden.

Fremde Wohnungen sind ihre Projekte. Schon als Kind machte es ihr, zum Ärgernis der Verwandten, großen Spaß, Möbel zu verrücken und Räume umzugestalten. Ein Hobby, das sie bis heute nicht losgelassen hat. Die Frau mit den blonden Zöpfen und dem einnehmenden Lächeln nennt ihren Beruf Wohnkosmetikerin.

Im Gegensatz zur klassischen Raumausstatterin arbeitet Köpp nur mit dem, was sie vorfindet. „Ich will den Geschmack der Leute nicht verändern“, sagt sie. Ihr Angebot reicht vom Ganztageswohlfühlprogramm für die eigenen vier Wände zum Preis von 300 Euro bis zur dreistündigen SOS-Wohnkosmetik, die vor allem von Männern kurz vor einem Rendezvous nachgefragt wird. Preis: 150 Euro.

Genauso unterschiedlich wie das Angebot sind auch ihre Kunden: Da wäre der Unternehmer, der ihr morgens den Schlüssel in die Hand drückt und sich mit den Worten: „Machen Sie mal, ich bin heut Abend wieder zurück“, verabschiedet. Oder die Ehefrau, deren Mann sich beschwert, sie habe das Haus nicht im Griff. Oder der Junggeselle, der das Chaos in seiner Bude beseitigt haben will.

Um zu zeigen, wie viel Spaß Aufräumen macht, beginnt Köpp ihren Einsatz in dem Zimmer, in dem der Vorher-Nachher-Effekt am verblüffendsten ist. Auf Wunsch geht sie gemeinsam mit dem Kunden Gegenstand für Gegenstand durch, um die wegwerfverdächtigen Kandidaten zu identifizieren. So lehrt sie ihre Kunden, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Riesige Müllsäcke, zum Bersten gefüllt mit überflüssigem Zeug, holt sie aus Küchen, Wohn- und Schlafzimmern. „Am Ende stehen dann alle mit großen Augen vor den Säcken und wundern sich, wo der ganze Mist herkommt.“

Vor etwa einem Jahr hat sich die Mutter einer Tochter mit ihrer Idee selbstständig gemacht. Die Einnahmen aus ihrem kleinen Unternehmen reichen allerdings noch nicht, um ganz davon leben zu können. Zurzeit hat Constanze Köpp etwa einen Auftrag pro Woche. Das würde sie gerne auf drei bis vier Kunden die Woche steigern.

Die 38-jährige Hamburgerin punktet bei ihrer Arbeit nicht nur mit ihrem geschulten Auge, sondern auch mit ihrem Einfühlungsvermögen: „Viele Leute sind ängstlich und schämen sich für ihre Wohnung, wenn ich vor der Tür stehe.“ Diese Hemmungen seien allerdings völlig unbegründet. Ganz gelassen sagt sie: „Mich kann eigentlich nichts schocken.“

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