"Mein Herz brennt" kommt am 20. Oktober auf den Markt
Dresdner Sinfoniker interpretieren „Rammstein“

Das hochkarätige explosive Musikgemisch der Electro-Metall-Rocker von "Rammstein" hat das Interesse der Dresdner Sinfoniker geweckt. In der Interpretation des Baritons René Pape und der Schauspielerin Katharina Thalbach wurden Texte von Rammstein als klassischer Liederzirkus vertont.

HB DRESDEN. Normalerweise liegen Welten zwischen den Rockern der Band „Rammstein“ und Musikern wie den Philharmonikern aus Wien oder Berlin. Doch der Dresdner Jazz-Schlagzeuger Sven Helbig hat als eine Art Mittler zwischen den musikalischen Welten die einen für die anderen interessieren können. Das Ergebnis kommt am 20. Oktober in ganz Europa als Pressung der Deutschen Grammophon auf den Markt, trägt den Titel „Mein Herz brennt“ und sorgt in der Musikwelt schon vorab für Schlagzeilen.

Was bei der Aufnahme - für Liebhaber auch als Vinyl-Version erhältlich - zu hören ist, gehört keineswegs in die Kategorie „Orchester spielt Rammstein“. In der Interpretation des Baritons René Pape und der Schauspielerin Katharina Thalbach wurden vielmehr Texte von „Rammstein“ als klassischer Liederzyklus vertont. Dafür konnte Helbig den Komponisten Torsten Rasch gewinnen. „Er verwendet Motive der Rammstein-Musik, aber im Grunde ist eine eigenständige Metamorphose entstanden“, sagt Helbig.

Bekannte Partner sollen Erfolg garantieren. Für die Vermarktung des 130 000 Euro teuren Projekts ist Universal International in London verantwortlich. Den Liederzyklus spielten die Solisten und die international besetzten Dresdner Sinfoniker mit dem Briten John Carewe am Pult in einem Berliner Studio ein. Als Toningenieur stand Joel Iwataki aus Los Angeles Pate, der bereits bei Kinofilmen wie „Friedhof der Kuscheltiere“ oder zuletzt beim Soundtrack für „Frida“ für optimalen Klang sorgte. In den berühmten Abbey Road Studios in London wurde die Aufnahme abgemischt. Live-Konzerte sind am 20. November in Berlin und einen Tag später in Dresden geplant.

Für die Dresdner Sinfoniker bedeutet das „Brennende Herz“ zugleich den Einstieg ins internationale Geschäft. „Es gibt bereits Interesse an einer Aufführung in New York. Schließlich ist René Pape derzeit ein Liebling der New Yorker an der Metropolitain Opera und der „Vocalist of the Year“ in den USA“, sagt der 34-jährige Helbig. Ein Erfolg im Ausland wäre die Bestätigung für eine Idee, die 1997 zur Gründung der Sinfoniker in Dresden führte. Von Beginn an wollte das Ensemble inhaltlich und personell grenzenlos musizieren.

Die Dresdner Sinfoniker stellen ein Novum in der deutschen Musikszene dar und haben sich zeitgenössischen Werken im Orchesterformat verschrieben. Bei ihrer Gründung übernahm Lord Yehudi Menuhin (1916-1999) die Schirmherrschaft. Inzwischen kann das Ensemble auf einen Pool von rund 700 Musikerinnen und Musikern bauen, die der freien Szene entstammen oder sonst bei den Wiener oder Berliner Philharmonikern, der Sächsischen Staatskapelle Dresden oder dem Royal Philharmonic Orchestra London spielen. Selbst ein Mitglied des Mexikanischen Nationalorchesters spielt bei den Dresdnern mit.

Ein paar Mal im Jahr treffen sich die Sinfoniker, um Programme zu proben und aufzuführen. Auf diese Weise gelangen alljährlich musikalische Raritäten auf die Bühne. 1999 badete Frank Zappas „Gelber Hai“ im Beifallssturm, im gleichen Jahr reanimierten sie die einst verschollene „Apocalypse“ von John McLaughlin. 2000 folgte die „Star Wars Sinfonie“ von John Williams. Werke von Komponisten wie John Adams und Steve Reich hatten die Dresdner genauso im Repertoire wie die unbekannter Tonschöpfer aus Aserbaidschan, Tadschikistan oder Usbekistan. Bei den Dresdner Musikfestspielen 2002 boten sie ein Programm mit chinesischer Musik.

Irgendwann blieb Helbig auf seiner ständigen Suche nach musikalischem Stoff bei „Rammstein“ hängen. „Das war ein hochgradig explosives Gemisch - es ließ mich nicht kalt“, schildert der Schlagzeuger sein erstes Hörerlebnis. Die poetischen Texte erinnerten ihn an Hermann Hesse oder Charles Baudelaire. Nach anfänglicher Zurückhaltung in den Dresdner Sinfonikerkreisen hören mittlerweile viele der klassischen Musiker außerhalb der Dienstzeit „Rammstein“- Scheiben. Und auch die Rocker sind angetan. „Die fühlen sich geehrt“, erzählt Helbig nach einer Begegnung mit der Band.

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