Meissen-Porzellan
Sammlung Hoffmeister enttäuscht leicht

Horst und Dieter Hoffmeister hatten Meissen-Porzellan auf dem Preishöhepunkt gekauft. Gebeutelt vom Finanzcrash mussten die Brüder jetzt verkaufen. Nicht alle Stücke erzielten den erhofften Preis.
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LONDON. Bonhams in London versteigerte die Meissen-Sammlung der Hamburger Brüder Horst und Dieter Hoffmeister am 25. November mit generalstabsmäßiger Präzision. Die Einnahme von 1,09 Mio. Pfund entsprach zwar genau dem Schätzwert, doch der Absatz von 77 Prozent nach Wert (73% nach Losen) war uneinheitlich. Hohen Preisen für Dekorstücke, angeführt von einem Paar viereckiger Balustervasen aus dem Japanischen Palais in Dresden mit 102 000 Pfund (Schätzung 40/60 000) stand die wählerische Aufnahme des seltenen Wappenporzellans gegenüber.

Deren historische Bedeutung wurde erst vor zwei Jahren mit der New Yorker Ausstellung "Fragile Diplomacy" entdeckt. Die Porzellan-Diplomatie August des Starken war in der Hoffmeister-Sammlung mit 60 Wappenporzellanen aus verschiedenen Servicen umfassender vertreten als in irgend einer anderen Kollektion der Welt. Bei fast jedem dieser Wappenstücke können die Umstände der Produktion und Schenkung ermittelt und ein Stück Geschichte rekonstruiert werden. Viele Porzellangeschenke gingen nach Polen, wo sich der zum König gewählte August um eine Umwandlung des Wahlkönigtums in eine Erbmonarchie bemühte.

Wichtigstes Dokument der sächsisch-polnischen Verbindung ist ein Teller aus dem 1733/4 für das Japanische Palais gelieferten Service, das im 19. Jahrhundert den Namen "Krönungsservice" erhielt. Der Londoner Händler Errol Manners sicherte sich zur unteren Taxe Wappenteller aus dem sächsischen "Krönungsservice" (24 000 Pfund) und dem Sulkowski-Service (36 000 Pfund). Teuerstes Wappenstück wurde der Henkelbecher mit Teller des Kölner Kurfürsten Clemens August, der gegen das Gebot einer deutschen Sammlerin für 61 200 Pfund an einen Telefonbieter verkauft wurde. Die Hoffmeisters hatten das Ensemble 1992 für 113 000 sfr ersteigert. Eine Zuckerdose mit dem Wappen der Grafen Althann und Daun, die 1994 bei Sotheby's für 33 000 Pfund erworben wurde, lag nun mit einem Hammerpreis von 32 000 Pfund (mit Aufgeld 38 400 Pfund) kaum höher als damals.

Stark umkämpft war ein 29 cm messender Teller mit Chinoiserieszenen auf Goldkonsolen und Kauffahrteiszenen in Kartuschen (84 000 Pfund). Die perfekte Kaffeekanne mit Kauffahrteiszenen, die 1993 in Christie?s Siegfried-Kramarsky-Auktion in New York 93 000 Dollar gekostet hatte, brachte nun durch Saalgebot 96 000 Pfund (Taxe 50/70 000 Pfund).

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