Meister von Meßkirch
Hauptwerke aus Adelsbesitz bleiben im Land

Die Fürstlich Fürstenbergische Sammlung aus Donaueschingen hat sich von ihren letzten Alten Meistern getrennt. Käufer ist das Land Baden-Württemberg und "Schraubenkönig" Reinhold Würth.
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DüsseldorfChristoph Graf Douglas, Jahrgang 1948, hat wieder einmal eine große Schlacht geschlagen. Dem Frankfurter Kunstberater und Kunsthistoriker ist es gelungen, Hauptwerke aus dem Familienbesitz des Hauses Fürstenberg für einen Verbleib im Land Baden-Württemberg zu sichern. „Ich bin selig, dass es gelungen ist“, seufzte der ehemalige Deutschland-Chef von Sotheby’s am Telefon. Die Verhandlungen mit dem Land seien lang und schwierig gewesen. Anderthalb Jahre dauerte das Ringen um die zum Verkauf stehenden Hauptwerke des bedeutenden Renaissance-Malers, der den Notnamen Meister von Meßkirch trägt und zwischen 1515 und 1540 tätig war. Insgesamt ist Douglas seit zehn Jahren als Vermittler für die Altmeister des Adelshauses im Einsatz.

Mittel der Kulturstiftung der Länder und des Landes machten den Erwerb des sogenannten Wildensteiner Altars und einer Tafel aus dem Hauptaltar der Pfarrkirche St. Martin in Meßkirch möglich. Der ebenfalls zum Verkauf stehende Falkenberger Altar wurde von dem Kunstsammler und Fabrikanten Reinhold Würth erworben.

Die letzten Altmeister aus Donaueschingen

Insgesamt flossen 11,8 Millionen Euro für die drei Werke, die seit 1955 als national wertvolles Kulturgut gelistet sind, die einzigen Altmeister, die nach Angaben von Douglas noch in der Sammlung des Fürstenhauses waren. Den Wildensteiner Altar übernimmt die Staatsgalerie Stuttgart, zehn Jahre, nachdem sie aus derselben Quelle bereits „Die Graue Passion“ von Holbein d.Ä. übernommen hatte. Damals wurden 13 Millionen Euro mit Hilfe von Spendern aufgebracht, der teuerste Ankauf in der Geschichte des Museums.

Der Wildensteiner Altar ist nach Einschätzung von Douglas einer der schönsten und seltenen großen Hausaltäre. Er besticht durch seine besondere Farbigkeit. Wie der Falkensteiner Altar besteht er aus einem fünfteiligen Wandelretabel mit Mitteltafel, zwei Standflügeln und zwei doppelseitig bemalten Drehflügeln, auf denen die Stifter vor einer aufwendigen Palastarchitektur knien und beten. Die Mitteltafel zeigt die durch Engel bekrönte Muttergottes mit dem Jesuskind. In die Fürstlich Fürstenbergische Sammlung kam er Anfang des 19. Jahrhunderts.

Dialog mit der „Schutzmantelmadonna“

Der Falkensteiner Altar befand sich bereits seit 1627 durch Einheirat im Haus Fürstenberg. Seinen neuen Aufstellungsort wird er vermutlich in der Johanniterkirche in Künzelsau bei Schwäbisch-Hall finden, in unmittelbarer Nachbarschaft zum wertvollsten Schatz in der Sammlung des Unternehmers: der sogenannten „Schutzmantelmadonna“ von Holbein d.J., ebenfalls aus dem Hause Fürstenberg. Für sie bezahlte der „Schraubenkönig“ im Hochsommer 2011 Aufsehen erregende 40 bis 60 Millionen Euro. Fast zehn Jahre zurück liegt der Ankauf von rund 100 Alten Meistern aus derselben Quelle, für die der Mäzen knapp 50 Millionen Euro aufbrachte.

Von den drei Flügeln des ursprünglich fünfteiligen Hochaltars der Pfarrkirche St. Martin in Meßkirch bleiben zwei im Besitz des Fürstenhauses. Sie gehen als Leihgaben in die Staatsgalerie Stuttgart. Ein Flügel wird vom Land für einen Verbleib in der Staatsgalerie angekauft. Weitere Teile des Altars bewahrt das Bonnefantenmuseum in Maastricht und die Staatsgalerie in Augsburg. So bleiben alle Teile für die Öffentlichkeit sichtbar.

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