Michael Findlay
Ein Insider plaudert.

In Galerien und auf Auktionen geht es um Ästhetik und Geld. Eine Neuerscheinung schafft auf unterhaltsame Weise einen ersten Überblick.
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BerlinMichael Findlay hat viel zu erzählen. Seit fast einem halben Jahrhundert ist er im Kunstmarkt tätig, war u.a. bei Christie's und der New Yorker Großgalerie Acquavella in leitender Funktion tätig. Sein Buch „Vom Wert der Kunst“ ist daher zugleich Analyse und Lebenserinnerung. Als Kunsthändler behandelt Findlay zuerst den kommerziellen Wert der Kunst.

Für diesen Aspekt steht die Grazie Thalia als Kapitelüberschrift, die die Fruchtbarkeit verkörpert. Der Rest des Trios steht für Freude sowie Schönheit und folgt später. Das funktioniert dramaturgisch ganz gut. Schon der erste Satz „Wie die Währung basiert auch der Handelswert von Kunst auf einer gesellschaftlichen Übereinkunft“ lässt aufhorchen.

Findlay beginnt mit Wesentlichem: Wie entsteht der Preis eines neu geschaffenen Kunstwerks? Wie unterscheiden sich Primär- und Sekundärmarkt? Was sind die preisbildenden Faktoren? Welche Rolle spielt Marketing, und wie haben sich dessen Methoden entwickelt? Findlay belässt es nicht bei Antworten auf diese zwar komplexen, aber im Grunde ungefährlichen Fragen.

Er weist auch darauf hin, dass das Entstehen von Kunstfonds ein sicheres Zeichen dafür sei, dass ein Boom vorüber ist. Kunst als Assetklasse sieht er generell kritisch. Den Kunstmarkt in Charts abbilden zu wollen hält er für vermessen: „Ich habe also wenig Vertrauen in Kristallkugeln, die sich als Indizes tarnen.“

Und obgleich er selbst als Akteur nicht nur vom letzten Kunstmarkt-Boom profitiert hat, sieht er die Entwicklung kritisch: „In den sechziger Jahren machten sich viele Künstler über den aufkommenden Trend lustig, in Kunst zu investieren. Wo sind diese Leute jetzt, wenn wir sie brauchen?“

Das „Euphrosyne“ (Göttin der Anmut) überschriebene Kapitel, das sich dem gesellschaftlichen Wert von Kunst widmet, ergibt sich allerdings mehr der Anekdote als der Analyse. Nur manchmal vermittelt Findlay neben Klatsch auch Einsichten in diesen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Etwa wenn er von einem Sammler schreibt, der ihm begeistert von einem Besuch bei dem Bildhauer Henry Moore berichtet.

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