Michelangelo Pistoletto : Spieglein, Spieglein an der Wand

Michelangelo Pistoletto
Spieglein, Spieglein an der Wand

Das futuristische Kunsthaus MAXXI in Rom breitet das Werk des Kunstrebellen Michelangelo Pistoletto aus. Die beeindruckende Schau blickt auf die 1960er-Jahre zurück, aber auch in die Zukunft.
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Rom„Von Einem zu Vielen“ ist ein trefflicher Titel für die Überblicksschau auf 100 Werke von Michelangelo Pistoletto, einem Künstler, der die Vielfalt zu seinem Steckenpferd gemacht hat. Er passt zudem gut zum Ausstellungsort, das Museum für zeitgenössische Kunst, das Stararchitektin Zaha Hadid für Rom gebaut hat. Das sogenannte MAXXI erinnert mit seinen an der Decke schwebenden Stahlverstrebungen entfernt an eine Bahnhofshalle, in der die Kunst wie auf Gleisen, im fliegenden Wechsel, vorgeführt wird. Das passt gut zu Pistolettos Kunstverständnis.

Kunst = Teilnahme

Der 78-jährige Künstler mit dem Charme eines Sean Connery und der Vitalität eines Skilehrers- der er tatsächlich auch ist – ist geradezu allergisch gegen jede Art von „Heiligenschein“ der Kunst. Sie ist für ihn ist in erster Linie Kommunikation und aktive Teilnahme. Ein Werk von Pistoletto zu betrachten, bedeutet, sich mit sich und der Welt auseinanderzusetzen. Der Betrachter tritt ins Geschehen, er betritt das Bild, sieht sich mit seiner eigenen Gestalt auf dem spiegelnden Hintergrund der Bilder konfrontiert. Pistoletto beabsichtigt weniger zu einer Reflexion des Ichs zu nötigen, als vielmehr das In-die-Welt-geworfen-Sein aufscheinen zu lassen.

Politik wird reflektiert

Ausgangspunkt ist das Künstler-Ich. In den frühen 1960er-Jahren malte sich Pistoletto selbst auf die reflektierende Fläche, später kombinierte er die Malerei mit Fotografie in Collagetechnik und ging schließlich dazu über, fotorealistische Gruppenbilder im Siebdruckverfahren auf glänzende Stahlplatten zu drucken. Hand in Hand mit der stilistisch-technischen Verwandlung ging die thematische Ausweitung: Von der einzelne Figur, über Paare und Situationsdarstellungen bis schließlich zu Szenarien, die den politischen Alltag widerspiegeln, von pazifistischen Kundgebungen bis zur Migrationswelle.  Themen, die nicht an Aktualität eingebüsst haben, im Gegenteil.

Die Lumpenvenus

Die Beschäftigung mit dem Alltag, mit gesellschaftlichen Phänomenen unter dem Einsatz einfacher Mittel war das Credo der Arte Povera, der Kunst mit armen Mitteln, einer Bewegung, der Pistoletto zwar eher am Rande angehörte, für die er aber dennoch fast unabsichtlich die Ikone schuf: „Die Lumpenvenus“. Splitternackt steht Göttin der Liebe – als Gipsabguss einer antiken Statue - vor einem Haufen alter Kleidungsstücke, wobei es dem Betrachter der Installation von 1967 überlassen bleibt, sich auszumalen, ob die Dame nach passenden Kleidern im Haufen sucht oder sich lieber in ihm verstecken möchte, derweil ihr klassisches Schönheitsideal wie fern von dieser Welt erscheint.

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