Mit 17 drehte Makhmalbaf ihren ersten Film
Filmemacher ohne Grenzen

Die iranische Regisseurin Samira Makhmalbaf zeigt in „Fünf Uhr am Nachmittag“ den Kampf von Tradition und Moderne.

Vergangenes Jahr war Samira Makhmalbaf mit 22 Jahren die jüngste Regisseurin, die je einen Film im Wettbewerb von Cannes zeigte. Sie ist die Tochter des iranischen Regisseurs Mohsen Makhmalbaf. Auch ihre beiden jüngeren Geschwister Maysam und Hana gingen beim Vater in die Lehre. Alle drei Kinder brachen die Schule ab, um im Makhmalbaf Film House zu studieren. Vater Makhmalbaf verbrachte als Anti-Schah-Aktivist fünf Jahre im Gefängnis. Nach der Revolution gründete er das Islamische Kulturzentrum Hozeh. Das iranische Kulturministerium untersagte ihm den Aufbau einer iranischen Filmhochschule und verbot im Mai dieses Jahres seinen jüngsten Film „Amnesia“.

Frau Makhmalbaf, wie prägt das Aufwachsen in einem Filmclan?

Ich bin in eine Geschichte von Filmemachern geboren. Mein Vater ist Regisseur, meine Mutter war das erste Publikum meines Vaters. Sie haben zu Hause oft seine Filmstoffe diskutiert. Ich habe das schon als Kind geliebt, weil die Generation meines Vaters und die Leute, mit denen er sich umgab, unter so vielem zu leiden hatten. Und ich konnte ihren Schmerz auf der Leinwand sehen.

Als Regisseurin sind Sie in Ihrem Land eine Ausnahmeerscheinung. Haben Sie damit zu kämpfen?

Ich war 17, als ich meinen ersten Film drehte, und die Leute sagten: Wie bitte, du bist noch so jung. Du bist aus dem Iran. Und eine Frau. Und du willst Filme machen? Ich dachte immerzu: Wenn ich ein Junge wär, wäre es einfacher. Sogar die westliche Welt hat Schwierigkeiten mit der Vorstellung, dass eine Frau einen Film macht.

Begegnet man Ihnen im Westen mit mehr Respekt?

Im Westen ist man der Ansicht, Frauen seien Sexualobjekte – zeigen wir sie also so. Im Osten ist man der Ansicht, Frauen sind Sexualobjekte – verstecken wir sie also. Schauen Sie sich Filmfestivals an: Die Männer sind dort wegen ihres Geistes, die Frauen wegen ihrer Körper.

Sie nicht. Sie waren die jüngste Regisseurin in Cannes.

Wäre ich mit 40 nach Cannes gefahren, hätte man mir anderes zugetraut – an Erfahrung. Aber kaum jemand wusste, dass ich schon mehr mit Film zu tun hatte als andere mit 40 oder 50. Mit 14 habe ich die Schule abgebrochen, um von meinem Vater die Filmemacherei zu lernen. Es ist nicht weiter schwierig, Filmtechnik zu verstehen. Und wenn Kino eine Art ist, das Leben zu betrachten – wer sagt dann, dass nur alte Menschen und Männer dazu in der Lage sind?

Hat Ihnen Ihr Vater dieses Selbstvertrauen vermittelt?

Ich lebe in zwei gegensätzlichen Situationen. Ich bin in einer Kultur groß geworden, die von Männern dominiert wird und ziemlich engstirnig ist. Aber zugleich wuchs ich in einem Haus auf, das sehr offen ist. Ich bin dort nie anders behandelt worden als mein Bruder, übrigens ebenso wenig in der Filmschule meines Vaters. Als ich meinen Debütfilm „Der Apfel“ machte, fragte man mich: Wer symbolisiert den Iran, die Frauen im Film, die seit elf Jahren in ihrem Haus eingeschlossen sitzen und zurückgeblieben sind, oder die 18-Jährige, die diesen Film gemacht hat? Wir haben beides im Iran.

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