Mit Idealismus und Gespür
Die Minis auf der Buchmesse

Eingekeilt zwischen Riesen wie Suhrkamp oder Rowohlt haben es Kleinverlage auf der Frankfurter Buchmesse schwer, Aufmerksamkeit zu finden. Und trotzdem finden die Minis nach Jahren des Rückzugs wieder häufiger den Weg nach Frankfurt.

HB FRANKFURT/MAIN. Vier Quadratmeter misst der Stand des Berliner Verbrecher Verlags. Das ist nicht groß und doch Luxus für eine so kleine Firma. Andere wie der nur drei Titel umfassende Firwitz Verlag aus Köln müssen sich mit noch weniger begnügen.

Kleine und mittlere Verlage seien in diesem Jahr wieder verstärkt dabei, berichtet Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Sonderkonditionen für Kleinverlage gibt es nicht. Der kleinste Vier-Quadratmeter-Einzelstand kostet nach Angaben der Messe gut 700 Euro - Wände kosten extra.

42 Verlage präsentieren sich auf dem Gemeinschaftsstand des "Arbeitskreises kleinerer unabhängiger Verlage" (AkV) in Halle drei. Hier hat ein Verleger wenigstens noch einen Meter Bretterwand für sich allein. Nebenan bei der "Gemeinschaftspräsentation von Klein- und Selbstverlagen" stehen nur Einzeltitel in Reihe und Glied.

Zum Kleinverleger-Dasein gehört viel Idealismus und ein Gespür für die richtige Nische. Beim Berliner Tropen Verlag bekommen nur vier Mitarbeiter Geld. "Die anderen profitieren auf andere Weise", sagt Tom Kraushaar. Der Kleinverlag profiliert sich einerseits mit hochwertiger Buchgestaltung, andererseits mit Büchern rund ums Thema Skateboard. Der in Amsterdam angesiedelte Verlag Castrum Peregrini wird laut Marinus Pütz von einer Stiftung "mit viel Not über Wasser gehalten".

Denn nicht jeder hat so viel Glück wie der A1 Verlag aus München. Seit "Die weiße Massai" von Corinne Hofmann und "Gottes kleine Krieger" des indischen Schriftstellers Kiran Nagarkar Kassenschlager wurden, "ist die Zeit der schonungslosen Selbstausbeutung vorbei", wie Albert Völkmann von A1 es formuliert. Mit nur fünf Mitarbeitern und zehn Büchern pro Jahr schreibt er schwarze Zahlen. Die meisten seiner Kollegen würden auf der Messe wie im Handel "vom Schatten der Bestsellertürme erschlagen", witzelt Völkmann.

Was die Kleinverleger aufrecht erhält, ist die Hoffnung auf einen durchschlagenden Erfolg. "Wir hoffen alle auf "Das Parfüm"", sagt Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag. Der Name gehe zurück auf einen "studentischen Scherz", berichtet er. Er und seine Kollegen bauen aber darauf, "dass der Name hängen bleibt" und damit Messebesucher auf das ironisch angehauchte Verlagsprogramm aufmerksam werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%