Modemacherin Vivienne Westwood
„Politiker sind Kriminelle“

Von der Queen geadelt, von der Fashionwelt gefeiert: Nun, im Alter von 74 Jahren, rechnet Europas bedeutendste Modemacherin Vivienne Westwood ab – mit Volksvertretern, Notenbanken, aber auch der eigenen Branche und dem Leben an sich.

DüsseldorfEinst war sie Grundschullehrerin, dann hat sie den Punk miterfunden. Mittlerweile gilt Vivienne Westwood als bedeutendste Modemacherin Europas – und ist zugleich eine der schärfsten Kritikerinnen des europäischen Establishments in Politik und Finanzindustrie: „Politiker sind Kriminelle“, wettert die 74-jährige Designerin im Gespräch mit der neuen Ausgabe des „Handelsblatt Magazins“. „Sie sind für den Profit und gegen die Menschen. Politik ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“ Aktuelle Ursache ihres Zorns: „Wer uns TTIP geben will, ist ganz bestimmt ein Verbrecher.“ Ihre Forderung: „Wirklich: Wir müssen sie bekämpfen.“

Und Vivienne Westwood lässt auch die Finanzindustrie nicht ungeschoren bei ihrer Abrechnung: „Die Notenbanken beherrschen die Welt, denn sie drucken unbegrenzt Geld und treiben die Leute in die Verschuldung.“ Das Fazit der Designerin: „Wie Marx schon sagte: Der Kapitalismus tötet sich selbst, irgendwann ist kein Markt mehr übrig.“

Westwood hat sich Zeit ihres Lebens als Rebellin gesehen. „Und ich bin bis heute Aktivistin geblieben, auch wenn die Ziele gewechselt haben.“ Als Partnerin des Sex-Pistols-Managers Malcolm McLaren hatte sie einst dem Punk schrille Outfits geschneidert und der Musik wie ihrem Stil so zum internationalen Durchbruch verholfen. Danach feierte sie internationale Erfolge als Designerin. Mittlerweile führt sie das Londoner Fashion-Label gemeinsam mit ihrem 25 Jahre jüngeren Mann Andreas Kronthaler, den sie 1992 geheiratet hat. Die beiden lernten sich einst in Wien kennen – er als Designstudent, sie als seine Professorin.

Handelsblatt Magazin N° 5 –
November 2015

Sie erfand den Punk mit, zog zwei Kinder groß, wurde zur Modemacht. Und jetzt? Vivienne Westwood und ihr Mann Andreas Kronthaler über die großen Dinge: Liebe und Sex, Politik und Banken, Freiheit, Verantwortung – und den Tod.

Weitere Themen der Ausgabe:

  • Das Prinzip Marathon: Wie die Läufe für etliche Städte zur Geldmaschine werden konnten
  • Warum eigentlich?: Im Silicon Valley wird zwar die Zukunft erfunden, allerdings von Managern, die fast durchgehend weiß und männlich sind.
  • Maos wilder Nachwuchs: Gerade erst lernten die Neureichen in Shanghai, ihren Luxus auszuleben. Nun ist die Dekadenz schon wieder gefährdet.

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    Westwood führt auch ihr eigenes Imperium anders, als man es von Unternehmern gewohnt ist: „Ich würde zum Beispiel gern die Größe meines Unternehmens reduzieren. Ich versuche es, aber es ist gar nicht so leicht.“ Ihr Credo: „Wir müssen in Richtung ‚Green Economy‘ gehen, sonst sind wir erledigt.“

    Und das sagt ausgerechnet der Star einer Branche, die sich eher als Teil einer globalen Hedonismus-Industrie begreift denn als Speerspitze der Nachhaltigkeit? „Ich leugne gar nicht, dass Mode ein Teil des Problems ist“, sagt Westwood. „Dabei könnten wir durchaus in Harmonie mit der Erde leben, auch unser Wirtschaftssystem.“ Sie resümiert: „Viele Menschen sind oberflächlich. Sie müssen shoppen gehen, um ihren mentalen Kühlschrank mit geistiger Nahrung zu füllen. Denen kann ich nur zurufen: Geht lieber in Kunstausstellungen!“

    Was das Ehepaar Westwood/Kronthaler darüber hinaus über Liebe und Sex, Treue und Ehe, den Sinn des Lebens und die Angst vor Tod erzählte, lesen Sie im „Handelsblatt Magazin“.

    Thomas Tuma ist stellvertretender Chefredakteur des Handelsblatts.
    Thomas Tuma
    Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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