Moderne-Auktionen
Picasso bleibt Spitze

Das Fazit der New Yorker Früjahrsauktionen impressionistischer und moderner Kunst ist so einfach wie unmissverständlich: Picasso behauptet sich an der Spitze eines überteuer gewordenen Moderne-Marktes.

NEW YORK. Das Fazit der New Yorker Früjahrsauktionen impressionistischer und moderner Kunst ist so einfach wie unmissverständlich: Picasso behauptet sich an der Spitze eines überteuer gewordenen Moderne-Marktes – 95,2 Mill. Dollar brutto flossen für Dora Maar, 34,7 Mill. für das Porträt seiner Frau, der russischen Ballerina Olga Khokhlova und 18,6 Mill. für Germaine Pichot.

Die drei Bildnisse des Meisters sollten die beiden prestigeträchtigen Abendveranstaltungen bei Sotheby’s (3.5.) und Christie’s (2.5.) dominieren und sogar einen schwergewichtigen Konkurrenten weit in den Schatten stellen: Vincent van Gogh.

Das spektakuläre Bild von Dora Maar, das bei Sotheby’s unter den Hammer kam und aus dem Stand den zweithöchsten Preis der Auktionsgeschichte erzielte, hatte schon zuvor New York im Sturm genommen. Entstanden 1941, war das Porträt seit Anfang der Sechziger im Familienbesitz in Chicago gewesen und überhaupt nur dreimal öffentlich gezeigt worden. Schnell wurde bei den Vorbesichtigungen klar: Gegen solch geballte Kraft hat van Goghs eher zartes Porträt der Madame Ginoux – das Top-Lot des Erzkonkurrenten Christie's – auf dem heutigen Markt keine Chance. Daß dann für ein derartiges Gemälde allerdings nur 40,3 Mill. Dollar (Taxe 40/ 50 Mill.) gezahlt wurden, musste alle überraschen und das Urteil ließ nicht lange auf sich warten. Hier hatte jemand ein echtes Schnäppchen gemacht.

Die enorme Preisdifferenz spricht Bände über die Käufer von heute. Es zählen die Trophäen mit explosiver „Wallpower“, mit unmittelbarem Wiedererkennungswert. Van Goghs wundervolles Bildnis der Madame Ginoux, wenn auch nicht vergleichbar etwa mit dem Porträt des Dr. Gachet, erschließt sich langsamer, die zurückhaltende Palette aus hellen Grün- und Gelbtönen ist eher ungewöhnlich.

Bleibt noch die Frage, wer derartige Preise zahlen kann. Während für den van Gogh der israelische Schiffsmagnat Sammy Ofer als Käufer gehandelt wird, erhielt den Zuschlag für die Dora Maar bei Sotheby’s ein Bieter im Publikum, der Rätsel aufgeben sollte – niemandem schien der „Mystery Man“ mit Handy am Ohr und offensichtlich russischem Akzent bekannt. Umso prominenter dann der Käufer des zweitteuersten Picassos der Woche, „Le repos“ von 1932 (15/20 Mill.), der bei Christie’s unter den Hammer kam. Larry Gagosian genoss das langwierige Bietgefecht sichtlich, das der New Yorker Händler schließlich für seinen Klienten am Telefon entscheiden konnte. So kraftvoll visionär das groteske Bildnis von Khokhlova ist, so magisch und geheimnisvoll präsentierte sich ebenfalls bei Christie’s Picassos Frühwerk „Portrait de Germaine“ aus dem Jahre 1902, das – wenn auch nicht für das Doppelte der Taxe – so doch immer noch prächtig abschnitt und an William Acquavella ging.

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