Moderne Kunst
Ein Lüpertz als Ladenhüter

Was das Atelier des Düsseldorfer Malers Markus Lüpertz verlässt, findet normalerweise auf dem Kunstmarkt reißenden Absatz. Ein Werk des Künstlers liegt nun aber schon seit neun Monaten in Düsseldorf regendicht unter Planen „eingemottet“, weil es niemand haben will.

HB DÜSSELDORF. Ob in Augsburg, Salzburg oder Bonn, ob „Aphrodite“, „Mozart“ oder „Mercurius“, die bemalten und eigenwilligen Skulpturen Lüpertz' auf Straßen und Plätzen provozieren Diskussionen. Ganz still geworden ist es allerdings um den „Pavillon der Bildhauerei“. So hatte Lüpertz einen hölzernen Pseudo-Tempel genannt, der im Sommer 2006 nach seinen Entwürfen für das Düsseldorfer Kunstfest „Quadriennale“ nahe dem Rheinufer errichtet worden war.

Bisherige Versuche des städtischen Tochterunternehmens IDR, den Pavillon - wie ursprünglich geplant - weiter zu verkaufen, sind gescheitert. Nach erfolglosem Anschreiben an gut 40 mögliche Käufer in der Region soll nun ein „erweitertes mailing“ bundesweit nach Interessenten fahnden, sagte IDR-Chef Heinrich Pröpper am Montag. Bisher seien alle echten Verkaufsverhandlungen an der leidigen und amtlich verlangten Baugenehmigung für den fast 25 mal 10 Meter großen Pavillon gescheitert.

Der „Malerfürst“, wie sich Lüpertz als Rektor der Staatlichen Kunstakademie zu Düsseldorf zu gern nennen lässt, hatte einen ganzen Sommer lang in dem zugigen Bau die Bildhauerei seiner Professorenkollegen präsentieren und gegenüber der Malkunst profilieren wollen.

„Nicht berauschend“ seien am Ende die Besucherzahlen gewesen und etliche Akademie-Professoren hätten ohnehin lieber auf ihren Auftritt im antikisierenden Pavillon verzichtet, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei der Stadt Düsseldorf. Schon die Kosten von zunächst bewilligten 800 000 Euro, die dann auf knapp eine halbe Million abgeschmolzen worden sind, und auch die windige Ästhetik des mit spillerigen Säulen und Giebeln dekorierten und bunt bemalten Gehäuses hatten dem Projekt in der lokalen Kulturszene nicht nur Freunde verschafft.

Den aktuellen Preis für den echten „Lüpertz“ wollte IDR-Chef Pröpper nicht nennen: „Das ist Sache des Gesprächs mit dem Käufer“. Überhaupt sei jede öffentliche Erwähnung der Angelegenheit dem Deal abträglich. „Desto weniger wird es verkäuflich, das ist in der Immobilienbranche so“, sorgt sich der Anbieter. „Aber wir sind ja nicht in der Zwangslage, verkaufen zu müssen!“

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