Moderne und Nachkriegskunst
Keine Angst vor Übersättigung

Ketterer trumpft mit einem unvergleichlich üppigen Zero-Angebot auf. Allein zehn hochkarätige Werke stammen von Uecker. Das respektable Paket Klassischer Moderne wird von expressionistischen Gemälden von Max Pechstein, Alexej von Jawlensky und Gabriele Münter angeführt. Auf einen Millionenzuschlag hofft das Haus bei einer Leinwand von Lucio Fontana.
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MünchenBefürchtungen, die Flut der Zero-Werke könnte zur Übersättigung führen, hat Robert Ketterer, Geschäftsführer des gleichnamigen Münchner Auktionshauses, nicht. In seiner Auktion „Kunst nach 1945 und Zeitgenössische Kunst“ am 12. und 13. Juni 2015 ruft er neben gut 250 anderen Arbeiten rund 120 Werke von Künstlern dieser avantgardistischen Bewegung auf.

Eine leuchtend rote Arbeit von Otto Piene aus der ersten Serie von Feuergouachen von 1962 ist zur moderaten Schätzung von 15.000 Euro dabei. Ein Lichtrelief von Heinz Mack von 1968 geht mit 50.000 Euro an den Start. „Wir haben sehr bewusst in diese Richtung akquiriert, weil das die Kunst ist, die momentan gesucht ist.“, erklärt der Auktionator im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Ein Drittel nur von Zero

Im Katalog mit 90 ausgewählten Spitzenwerken stammt allein ein Drittel des Angebots nur vom Zero-Dreigestirn Mack-Piene-Uecker. Es wird angeführt von der großformatigen, auf mindestens 300.000 Euro taxierten „Hommage à Paul Scheerbart“ von Günter Uecker, von dem weitere neun Werke im sechsstelligen Preisbereich ausgelobt werden. „Zehn hochwertige Arbeiten von Uecker - das muss bei diesem Hype momentan doch zu realisieren sein.“, meint Ketterer. Im letzten Jahr erzielte Ketterer den Uecker-Weltrekord von 1,3 Millionen Euro.

In der Nähe von einer Million Euro will Ketterer den Zuschlag für Lucio Fontanas hellgraue, geschlitzte Leinwand „Concetto Spaziale, Attesa“ von 1960 sehen. Die Schätzung des aus Privatbesitz stammenden Werks liegt zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Euro.

Handliche Verpackungskunst

Rund um diese Markt-Heroen ranken sich zahlreiche andere Werke, in denen Licht, Reflexion, Struktur und Bewegung die bildnerischen Elemente sind. Etwa von Yves Klein, Bernard Aubertin oder Enrico Castellani. Adolf Luthers zwei Meter hohes Hohlspiegelobjekt von 1980 kommt bei 80.000 Euro zum Aufruf. Das achrome Gitter-Relief des Niederländers Jan Schoonhoven ist auf 150.000 Euro taxiert.

Den Aufbruch ganz anderer Art probte um 1960 Christo. Damals war seine Verpackungskunst noch handlich, wie das „Wrapped Magazin McCall´s“ von 1962 zeigt; Taxe: 30.000 Euro. Außerdem kommen zwei bedeutende Vertreter der Nachkriegsabstraktion zum Aufruf: Willi Baumeister mit der 1954 entstandenen, rot-schwarzen Abstraktion aus der Montaru-Serie (140.000 Euro) und Emil Schumachers assoziationsreiche, zeichenhafte Leinwand „Alf I“ von 1962 zu 120.000 Euro (jeweils die untere Taxe).

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Expressive Science-Fiction von Butzer

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