Moderne und zeitgenössische Kunst
Auktionen bei Ketterer erzielen Rekorderlös

Das Münchener Auktionshaus Ketterer fährt zum zweiten Mal einen internationalen Spitzenpreis für Günther Uecker ein. Im Bereich der viel schmaleren Moderne-Offerte liegen zwölf Ergebnisse im sechsstelligen Bereich. An ihrer Spitze eine Ölstudie von Alexej von Jawlensky.
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MünchenKetterer hat am vergangenen Wochenende einen neuen Auktions-Weltrekord für ein Werk von Günther Uecker eingefahren. Mit einem Erlös von fast 1,9 Millionen Euro inkl. Aufgeld übertrumpfte das Nagelbild „Hommage á Paul Scheerbart“ aus den späten 1960er-Jahren die bisherige Preisspitze von 1,26 Millionen Euro. Sie wurde erst vor einem Jahr ebenfalls bei Ketterer erzielt.

Viele Sammler aus Großbritannien, Israel, aus der Schweiz, den Beneluxländern und den USA bemühten sich um das auf 300.000 bis 400.000 Euro geschätzte Werk. Uecker ist der teuerste unter den Zero-Künstlern. Die Arbeit mit den amorphen Umrissen sicherte sich ein hessischer Privatsammler.

Konzentration auf Zero-Kunst

Es war eine Rekord-Versteigerung in jeder Hinsicht. Nie zuvor kamen bei den Auktionen „Klassische Moderne“ und „Kunst nach 1945/Zeitgenössische Kunst“ 23,1 Millionen Euro zusammen. Die Offerte hatte Robert Ketterer stark auf den Zero-Boom zugeschnitten. Mehr als 120 Arbeiten von Vertretern der kinetischen Kunst der 1960er-Jahre kamen zum Aufruf. Allein die 19 Werke des Düsseldorfer Nagelkünstlers bescherten einen Umsatz von 5,4 Millionen Euro. Neben dem Millionenzuschlag lagen weitere neun Erlöse im sechsstelligen Bereich. Auf jeweils etwas über eine Million Euro summierten sich die Ergebnisse für jeweils 20 verkaufte Werke von Heinz Mack und Otto Piene.

Weißes Strukturbild

Auch für Günter Förg wurde ein Rekordpreis erzielt. Das Hammer für seine monumentale Arbeit „Washington Square II“ fiel bei 360.000 Euro. Mit Aufgeld kostet sie einem hessischen Unternehmer 450.000 Euro. Für Johannes Jan Schoonhovens „Relief 72-73-M-14“ und für Enrico Castellanis weißes Strukturbild „Superfica bianca“ meldet der Münchner Versteigerer die höchsten Zuschläge, die je in Deutschland erzielt wurden. Beide Werke übernahm für jeweils 450.000 Euro ein niederländischer Sammler.

Und auch Lucia Fontana gehört in diese Reihe herausragender Ergebnisse. Für 1,5 Millionen Euro sicherte sich der englische Handel das sehr frühe „Concetto Spaziale“ mit der noch etwas rauen Oberfläche. In deutschen Auktionshäusern wurde zuvor kein geschlitztes Bild in dieser Höhe veräußert.

Höchstwerte für Maetzel-Johannsen

„Aufgrund des spannendes Angebots zeigte die Versteigerung der zeitgenössischen Kunst eine enorme Dynamik, die aufgrund des fehlenden Materials bei der Klassischen Moderne nicht gegeben war.“, kommentierte Robert Ketterer im Gespräch mit dem Handelsblatt die blendenden Resultate.

Bei der klassischen Moderne steht mit einem Erlös von 825.000 Euro Hermann Max Pechsteins farbintensives „Bildnis Charlotte Cuhrt“ an der Spitze. Alexej von Jawlenskys Ölstudie von 1909 zu seinem Gemälde „Stillleben mit weißem Pferd“ erzielte 500.000 Euro. Fast das Vierfache der unteren Schätzung spielte Dorothea Maetzel-Johannsens Gemälde „Überredung“ von 1919 ein. Mit 212.500 Euro für den kantig expressionistischen, weiblichen Doppel-Akt setzte Ketterer auch für die Hamburger Malerin eine Rekordmarke.

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