Moderne und zeitgenössische Kunst bei Van Ham
Neuer Hausrekord mit durchwachsenem Angebot

Mit 9,4 Millionen Euro Umsatz für Moderne- und zeitgenössische Kunst toppt Van Ham erneut sein Vorjahresergebnis. 5,6 Millionen Euro gehen auf das Konto der zeitgenössischen Kunst. Dennoch werden bei der durchwachsenen Offerte viele Werke zurückgereicht. Auf  Zero-Kunst wird vorsichtiger geboten.

KölnFür eine Versteigerung zeitgenössischer Kunst war das Kölner Auktionshaus Van Ham am 26. November 2015 überraschend spärlich besucht. Gleichwohl vielversprechend startete die Ausbietung der 257 Lose mit Werken von Joseph Beuys aus dem Nachlass seines Künstlerfreundes Horst Egon Kalinowski. Allen voran der Krefelder Kunsthändler Rüdiger K. Weng von der Weng Fine Art AG bemühte sich im Saal, viele Lose für sich zu verbuchen. In vorderster Reihe bot der Händler dezent mit – anscheinend auf einen Großeinkauf eingestellt.

Ein auf 15.000 bis 20.000 Euro taxiertes erdfarbenes Beuys-Aquarell von 1949 peitschten Weng und mehrere Telefonbieter dabei auf sensationelle 130.000 Euro (mit Aufgeld 166.400 Euro). Auktionator Markus Eisenbeis schlug schließlich zugunsten eines Telefonbieters zu. Dafür setzte sich Weng bei einer Zeichnung auf fettgetränktem Papier mit 43.000 Euro Hammerpreis gegen einen Saalbieter durch (Taxe 6.000 bis 8.000 Euro) und sicherte sich noch die anderen Beuys-Blätter. Neben Beuys hatte es Weng auch auf den Krefelder Zero-Künstler Adolf Luther abgesehen. Hier herrschte freie Bahn. Innerhalb der Schätzpreise erwarb der Händler unter anderem eine Lichtstele mit sieben Glasprismen (Taxe 50.000 bis 70.000 Euro) und ein Spiegelobjekt des Op-Art-Künstlers (Taxe 18.000 bis 24.000 Euro).

Erlös zugunsten von Obdachlosen

Es folgten aber immer wieder Rückgänge oder mäßige Zuschlagssummen. Horst Antes’ Kopfskulpturen etwa gingen preiswert an Vorgebote (Taxe jeweils 5.000 bis 7.000 Euro). Armans goldfarben patinierte Bronzen schnappten sich Telefonbieter zu den Mindesttaxen von 8.000 und 15.000 Euro. Gar niemanden packten Arakis Fotografie mit züchtiger Geisha von 1991 (Taxe 18.000 bis 24.000 Euro) und Henri Michaux’ abstrakte Kompositionen (Taxe 12.000 bis 15.000 Euro).

Der Saal füllte sich zusehends, je näher die Losnummern mit Gerhard Richter- und Zero-Werken rückten. Richter brachte in diesem Jahr sechs Fotografien mit Details aus seiner abstrakten Ölbildserie „Cage“ in jeweils einer Fünferauflage heraus. Ein Exemplar der Edition kam zu Van Ham. Die Erlöse gehen an die Düsseldorfer „Fiftyfifty“-Sozialberatung, die sich um Obdachlose kümmert und das gleichnamige Straßenmagazin verlegt. Mit dem Geld sollen Wohnungen zur Verfügung gestellt werden.

Taxiert waren die Fotografien je auf 70.000 bis 100.000 Euro. Nur eine überschritt am Telefon mit 130.000 Euro den Schätzpreis, eine blieb liegen, die anderen erreichten nicht die Mindesttaxe. Dennoch kamen insgesamt 574.720 Euro inklusive Aufgeld für den guten Zweck zusammen.

Einsame Telefonbieter

Wohl auch angesichts der durchschnittlichen Offerte mit vielen Auflagen konnte es sich Auktionator Markus Eisenbeis einmal nicht verkneifen und zeigte Verständnis, dass nicht jedes Motiv Begeisterung auslöste. Bei der Zero-Kunst und ihren hohen Schätzpreisen schlug Eisenbeis oft unspektakulär für Vorgebote zu – oder für einsame Telefonbieter.

Für ein Relief Heinz Macks aus Aluminium von 1964 bewilligte ein nordrhein-westfälischer Sammler bei 192.000 Euro inklusive Aufgeld zugunsten eines nordrheinwestfälischen Sammlers (Taxe 100.000 bis 150.000 Euro). Eine Leinwand Macks mit weiß-grauer Struktur ging sogar für 281.600 Euro inklusive Aufgeld weg (Taxe 200.000 bis 300.000 Euro). Otto Pienes Feuergouachen blieben ebenso moderat innerhalb der Taxen im zweistelligen Tausenderbereich wie auch Günther Ueckers Prägedrucke auf Büttenpapier.

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