Moderne und zeitgenössische Kunst
Karstadt macht Kasse

Hochwertige Privatsammlungen bescheren der Villa Grisebach ein starkes Umsatzplus. Weniger prominente Angebote verkaufen sich fast komplett - bei den teuersten Werken wird vorsichtig geboten.
  • 0

BerlinDie Karstadt-Insolvenz ist Geschichte. Ein Teil dieser Geschichte kam am 27. Mai in der Abendauktion der Villa Grisebach unter den Hammer: acht Kunstwerke aus den Vorstandsräumen des Essener Konzerns, die der Nachlassverwalter dem Berliner Auktionshaus anvertraut hatte. Bei einer Schätzung von 1,28 Millionen erzielten diese in den späten sechziger Jahren angekauften Werke 2,3 Millionen Euro inklusive Aufgeld. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der Insolvenzmasse, aber für den Kunstmarkt ein brillantes Ergebnis. Denn drei dieser Repräsentationsstücke brachten Rekordpreise.

Am teuersten wurde Ernst Wilhelm Nays abstraktes Großformat „Chromatische Scheiben“, das der damalige Konzernchef 1969 für 90.000 DM aus dem Nachlass des Künstlers erworben hatte. Nun wurde es für 750 000 Euro einem Berliner Sammler zugeschlagen, das sind mit dem 22-prozentigen Aufgeld 915.000 Euro. Zweiter Rekordbrecher dieser Gruppe ist mit brutto 488.000 Euro eine 1,46 Meter hohe Raumplastik des Düsseldorfer Bildhauers Norbert Kricke, dritter Spitzenreiter ein sechs Meter breites Spiegelobjekt von Adolf Luther, ein Auftragswerk von 1977 für die Karstadt-Hauptverwaltung. Es ging für brutto 122.000 Euro in den Schweizer Handel.

Trotz einiger Rückgänge (Liebermann, Barlach, Klee, Jawlensky) war die Abendauktion ausgewählter Werke mit einem Bruttoumsatz von 9,9 Millionen Euro ein runder Erfolg, da einige Lose weit über ihre Schätzung kamen. Allen voran August Mackes Ölbild „Drei Akte“ von 1913, das dank süddeutschem Privatgebot auf 707.600 Euro stieg, und Max Pechsteins „Nordische Landschaft“ (1931). Sie spielte mit 366.000 Euro das Doppelte der Taxe ein. Auch eine 1924 datierte Abstraktion des Kandinsky-Adepten Rudolf Bauer verdoppelte mit 305.000 Euro ihre Preiserwartung.

Zu den bemerkenswerten Zuschlägen des Abends gehören auch die von Schweizer Privatseite für Georg Kolbes Bronze „Brunnentänzerin“ eingesetzten 280 600 Euro. Dieselbe Summe musste ein hessischer Privatsammler für eine altmeisterliche Gletscherlandschaft von Otto Dix aus dem Jahr 1938 ausgeben. Das frühe Schumacher-Bild „Gagaola“ von 1963 blieb mit 244.000 Euro innerhalb der Schätzung, und der zweite Nay aus der Karstadt-Sammlung („Blätter und schwarze Punkte“, 1954) wurde für 305.000 Euro in Schweizer Privatbesitz abgegeben.

Seite 1:

Karstadt macht Kasse

Seite 2:

Kommentare zu " Moderne und zeitgenössische Kunst: Karstadt macht Kasse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%