Moderne und zeitgenössische Kunst
Nachschub aus italienischen Sammlungen

Werke italienischer und deutscher Künstler der Moderne und Gegenwart dominieren das Angebot der vierten Auktionswoche im Dorotheum in Wien. Österreichische Kunst ist nur noch „Garnitur“. Ausschließlich englische Katalogtexte deuten an, dass sich der Käuferkreis wandelt.

WienVom 24. bis 27. November 2015 zelebriert das Dorotheum mit der vierten Auktionswoche des Jahres sein Saisonfinale. Verteilt auf sechs Sitzungen gelangen rund 1.240 Kunstwerke und Objekte aus fünf Sparten zur Versteigerung. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Sektionen Klassische Moderne und Zeitgenössische Kunst.

Letztere Kategorien profitierten von den Niederlassungen im Ausland, insbesondere jenen in Italien und Deutschland, von wo das Gros der nun zum Aufruf kommenden Kunstwerke vorläufig nach Wien importiert wurde. Ware heimischer Eigentümerherkunft fungiert, wie ein Blick in die Kataloge belegt, tendenziell nur noch als Garnierung zu den international gefragteren Kalibern. Etwa in der Kategorie Klassische Moderne, die in der aktuellen Aufstellung und im Vergleich zu vorangegangenen an leichter Glanzlosigkeit laboriert.

Schätzung nach unten korrigiert

Gustav Klimt und Egon Schiele sind zwar vertreten, jedoch mit an kunsthistorischer Güte eher schwachen Arbeiten. Schieles „Haus in Hütteldorf“, ein 1907 in Öl auf Karton gemaltes Sujet, das irgendwann an den Rändern beschnitten wurde, dreht mittlerweile die dritte Runde auf dem Auktionsparkett. Im November 2012 war es mit einer Taxe von 140.000 bis 220.000 Euro im Dorotheum unverkauft geblieben, ebenso bei Sotheby’s London im Juni 2013 zur Taxe von 70.000 bis 93.000 Euro. Nun hofft man für 40.000 bis 60.000 Euro einen Käufer zu finden.

Rekordtaxe für „Melpomene“

Mit lokaler kunsthistorischer Beachtung könnte hingegen Leopold Stolbas ebenfalls um 1907 in Mischtechnik geschaffene „Melpomene“ punkten, ein charakteristisches sezessionistisches Sujet, das in der Frühjahrsausstellung der Secession 1908 erstmals öffentlich zu sehen war. Stolba galt als Sonderling, der auf maltechnischem Gebiet gern experimentierte.

Auf dem Kunstmarkt ist er bislang eine vergleichsweise unbekannte Größe. Die Datenbank Artprice listet beispielsweise seit 2000 nur neun Einträge, wovon fünf unverkauft blieben. Verglichen mit dem bisherigen Höchstwert von netto 2.900 Euro für das Aquarell einer Landschaft, erzielt im Jahr 2000 beim Dorotheum, würde jeder Zuschlag im Bereich des für „Melpomene“ angesetzten Schätzwert von 25.000 bis 40.000 Euro als Künstlerrekord notieren.

Futuristische Malerei

Internationales Interesse wird hingegen die italienische Entourage der Futuristen generieren: allen voran Gino Severini unter anderem mit dem Gemälde „Sortie Nord-Sud“ (1913) für geschätzte 300.000 bis 400.000 Euro. Von Giacomo Balla kommt ein Stoffentwurf von 1913 zum Aufruf, für den 80.000 bis 120.000 Euro erwartet werden. Ein eher unbekannter Vertreter ist Enrico Prampolini, von dem etwa „9-Costruzione verticale“ (1916) für geschätzte 25.000 bis 35.000 Euro ausgeboten wird.

Über Italien kehrt gewissermaßen auch ein für die Entwicklung der abstrakten Malerei in Deutschland beispielhaftes Werk von Willi Baumeister zurück. „Lyrik mit Kammzug auf Blau-Grün“ (1954) war 1955 in Mailand ausgestellt und seither in italienischem Privatbesitz. Nun buhlt die farbenfrohe, auf 70.000 bis 90.000 Euro taxierte Komposition um die Gunst eines neuen Käufers.

Seite 1:

Nachschub aus italienischen Sammlungen

Seite 2:

Aus Nordrhein-Westfalen

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%