Moderne und Zeitgenossen
Auktion mit weinendem Mädchen

Neumeisters Offerte mit zeitgenössischer Kunst führt ein Bild von Ling Jian an. Die höchst geschätzten Lose des Münchner Auktionshauses finden sich jedoch im Moderne-Angebot. Darunter ein marktfrisches Aquarell von Paul Klee. Spitzenlos ist ein schonungslos direkter Akt von Egon Schiele. Erschwingliche Schätzpreise tragen sieben späte Arbeiten des Expressionisten Emil Maetzel.
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MünchenAls Nachklang der legendären Tunis-Reise von 1914 tauchte Paul Klee sein Aquarell „Garten“ in magisches Nachtblau. Das Blatt mit Sonne, Mond und Sternen über Hütten und Bäumen entstand im Kriegsjahr 1918. Es zählt zu den sieben Bildern Klees, die von den lichtdurchfluteten Gärten der Europäer-Kolonie St. Germain bei Tunis inspiriert sind. Viele Jahre in süddeutschem Privatbesitz, kommt die scheinbar von irdischer Schwere befreite Komposition am 5. Juni 2014 in der Auktion „Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst“ im Münchner Auktionshaus Neumeister zum Aufruf.

Erwartet werden für das Aquarell 400.000 bis 450.000 Euro. Teuerstes Los aber ist mit einem Schätzpreis von 600.000 bis 800.000 Euro ein schonungslos direkter Akt von Egon Schiele. Kantig und mit immer noch provokant-sexueller Anmutung gehört das 1910 datierte Aquarell „Sitzender schwangerer Akt mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen“ zu den radikalsten Arbeiten des österreichischen Expressionisten. Noch vor gut einem Jahr wurde es auf der Wiener Messe Wiekam von einer Galerie der Donaumetropole angeboten.

Prominente Moderne-Vertreter

Unter den 350 zur Versteigerung stehenden Werken befinden sich weitere prominente Namen der Klassischen Moderne. Conrad Felixmüllers eher lyrisch als expressives Gemälde „Die himmlische Rose – Londa mit der Heckenrose“ von 1927 soll mindestens 90.000 Euro einspielen. Jeane Mammens aquarellierte Gesellschaftsstudie „Café Boul´ Mich“ aus einem Skizzenbuch ihrer Pariser Jahre 1910 bis 1914 ist mit 5.500 bis 6.000 Euro bewertet. Für eine farbige, 1946 entstandene, abstrakte Kreidezeichnung des Bauhauskünstlers Laszló Moholy-Nagy werden 8.000 Euro erwartet.

Der Markt unterscheidet bekanntlich strikt nach Werkphasen. Dass die unteren Taxen einer Folge von sieben Gemälden des Hamburger Expressionisten Emil Maetzel moderat zwischen 2.500 Euro und  8.000 Euro angesetzt sind, ist wohl vor allem der Entstehungszeit zwischen 1932 bis 1955 zuzuschreiben. Die marktfrischen, aber späten Stillleben mit Darstellungen afrikanischer Masken und Kultobjekten stammen direkt aus der Familie des Künstlers. Der Maler hatte sich zu diesem Zeitpunkt wieder verstärkt der klassisch-modernen Formensprache zugewandt.

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Immendorffs "Pinselaffe"

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