Moderne und Zeitgenossen
Die Konkurrenz schläft nicht

Van Ham fährt mit seiner Moderne- und Zeitgenossen-Offerte sein zweitbestes Frühjahrsergebnis ein. Aus dem Zero-Angebot sprengen Werke von Heinz Mack und Adolf Luther die Erwartungen. Gut beboten wird die schmale Moderne-Offerte.
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KölnDie Nürnberger Privatsammlung, aus der Van Ham bereits im letzten Jahr Spitzenwerke von Lyonel Feininger und Ernst Wilhelm Nay eingeliefert bekam, war auch am 3. Juni 2015 wieder mit einem Hochkaräter dabei. Diesmal konnte das Kölner Auktionshaus seiner Zero-Offerte ein frühes, schwarz-monochromes Strukturbild auf Nessel von Heinz Mack zum Schätzpreis von 80.000 bis 120.000 Euro hinzufügen.

Die ins Querformat komponierten horizontalen Lagen von vertikalen, schwarzen Rastern erzeugen eine vibrierende Oberfläche, die an keiner Stelle langweilig wirkt. Entsprechend schnell wurde der Preis für „Dynamische Strukturen in Schwarz“ (1962) hoch getrieben, bis bei 380.000, mit 28 Prozent Aufgeld (inkl. Mehrwertsteuer) 482.500 Euro ein Schweizer Sammler den Sieg davontrug. Es ist ein deutscher Auktionsrekord und international das zweithöchste Ergebnis für ein versteigertes Werk dieses Künstlers.

Frühwerk zu hoch geschätzt

„Wir waren sehr vorsichtig optimistisch“, schildert Experte Robert Van den Valentyn die Erwartungen, die Van Ham in seine Moderne- und Zeitgenossenauktionen gesetzt hatte, die sich zum Schluss als zweitbeste Frühjahrsauktion in diesen Segmenten herausstellte.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, vor allem was Zero angeht, dem Feld, auf dem Van Ham erstmals im Herbst 2013 furiose Bieterschlachten verzeichnen konnte. Ketterer zieht am 13. Juni mit einem nie da gewesenen Angebot (s. Handelsblatt Online v. 12.6.2015) ins Feld, darunter sehr schöne, mit Öl, Feuer und Rauch geschaffene Leinwandarbeiten von Otto Piene; und auch Lempertz konnte am 29. Mai mit einer interessant bestückten Zero-Offerte aufwarten (Handelsblatt v. 5.6.2015), u. a. einem subtilen, von Mack nachträglich auf 1958 datierten Frühwerk in lichten Grautönen. Diese, auf Holz gemalte Arbeit war allerdings mit 350.000 bis 400.000 Euro aggressiver getaxt und wurde dann auch nur unter Vorbehalt für 360.000 Euro zugeschlagen.

Preissprung für Adolf Luther

Ihre Taxe von bis zu 20.000 Euro überrundete bei Van Ham die selten vollständig erhältliche Sahara-Edition (1972-1975) von Mack. 24.320 Euro erzielten ihre 13 Blätter, die beeindruckende Maße von 80 x 100 cm haben und durch aufcollagierte Spiegel- und Folienelementen unikathaften Charakter besitzen.

Bemerkenswert sind die Preise, die Van Ham für kleinere Arbeiten von Adolf Luther erzielte. Ein „Spiegelobjekt“ von 1970 sprang sogar von geschätzten 6.000 bis 8.000 Euro auf 42.249 Euro. Vor einem halben Jahr konnte man für diesen Preis noch Arbeiten bekommen, die drei Mal so groß waren. Die vergleichsweise klein ausgefallene Piene-Offerte enthielt nur eine Leinwandarbeit („rot, rot, rot“), die allerdings erwartungsgemäß deutlich ihre obere Taxe von 70.000 Euro überrundete und bei 96.000 Euro landete. Die Arbeiten auf Papier erzielten gute Preise, wobei eine wie ein Blumenstück aussehende Feuergouache („Flower Sun“) mit angesetzten 30.000 bis 50.000 Euro offenbar zu hoch geschätzt war.

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"Weltempfänger" von Isa Genzken

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