Möbelmarkt
Investieren in die Luxus-Einrichtung

Ein starkes Angebot aus großen Sammlungen gibt dem Möbelmarkt Auftrieb. Auch die Preise tragen dazu bei, sie profitieren von Inflationsangst und einer Flucht in Sachwerte - wie sich jetzt auf mehreren Londoner Herbstauktionen gezeigt hat. Derzeit besonders beliebt bei Sammlern: kunsthistorische Raritäten, Provenienzstücke und rasante Einrichtungen.
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LONDON. Aufschlussreicher Zufall: In mehreren Londoner Herbstauktionen haben deutsche Möbel und Kunstobjekte Spitzenpreise erzielt. Starlos war das Augsburger Schränkchen aus dem späten 16. Jahrhundert, das Christie?s am 5. November aus dem Besitz einer Mailänder Adelsfamilie versteigerte und mit einer maßvollen Taxe von 60 000/100 000 Pfund versehen hatte. Die aufwendige Einlegearbeit ging für 1,12 Mio. Pfund oder 1,25 Mio. Euro an die Bremer Galerie Neuse. Achim Neuse und Volker Wurster haben sich auf historisch bedeutsames Silber, Kunst- und Wunderkammer-Objekte und erlesenes Kunsthandwerk des Historismus spezialisiert.

"Es ist der Rembrandt der Marketerieschränke. Als ich es sah, wusste ich gleich, dass es über eine Million kosten würde", sagt Miteigner Volker Wurster, der wohl gegen mehrere amerikanische und europäische Museen bot. Auch das Bayerische Nationalmuseum, München, soll unter den Interessenten gewesen sein.

Insgesamt unterstrichen die Möbelauktionen, viele davon mit aristokratischem Sammlungsmaterial, die bekannten Trends: Mittelware ist oft zu teuer, weil sich der Geschmack geändert hat. Aber kunsthistorische Raritäten, Provenienzstücke und rasante Einrichtungen werden mit Begeisterung gekauft. Dabei profitieren die Preise auch von Inflationsangst und einer Flucht in Sachwerte.

Die atemberaubend kleinteilige Augsburger Einlegearbeit des 80 cm hohen Schränkchens zeigt wie bei den meisten dieser Augsburger Exportartikel Ruinen, Grotesken, surreale Landschaften und exotische Tiere. Sie waren in ganz Europa beliebt, alle Fürstenhöfe wollten sie haben. Dieses Stück war nicht nur das vielleicht beste seiner Art, sondern glänzend erhalten. "Nur außen leicht vergilbt, innen wie neu. Es wurde in seinem Mailänder Palazzo wohl nie geöffnet", so Wurster.

Die Galerie Neuse führt gerne deutsche Trophäen nach Hause und nahm am gleichen Tag eine zweite Gelegenheit wahr. Für ein Paar silberner Wandkerzenhalter des Hamburger Silberschmieds Friedrich Kettwyck, versteigert aus spanischem Adelsbesitz, bezahlte sie den Spitzenpreis von 247 250 Pfund (Taxe 70 000/100 000). Sie tragen das Monogramm Georg Ludwigs von Hannover, später Georg I. von England, und gehören zu einer Gruppe, die bis 1924 im Besitz der Hannoveraner war.

Bei Sotheby?s wurde am 4. November Kunst aus dem nordenglischen Schloss Carlton Towers versteigert, vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert. Hier kostete ein Eisenschrank, eine Frühform eines Safes, geschmückt in der Manier des Eisenmöbelherstellers Johann Gottlieb Dittmann und vielleicht im 18. Jahrhundert in Hirschberg entstanden, durch Privatgebot 73 250 Pfund - taxiert waren 6 000/9 000 Pfund.

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