Mozartjahr
Die Rechnung des Vaters geht auf

Der Barmann im Hotel Auersperg, der wie jeder gute Salzburger ein Mozart-Liebhaber ist, hat bereits eine feste Meinung, bevor der Rummel heute richtig losgeht: „Mozart“, sagt er mit Blick auf 260 Konzerte, 55 Uraufführungen und ebenso viele Messen, auf 36 Opernproduktionen und zehn Kongresse, „Mozart würde sich im Grabe umdrehen.“

HB SALZBURG. Ein Besuch in Mozarts Wohnhaus um die Ecke könnte seine Ansicht ändern: Dort ist ein Raum dem Vater des Musikgenies gewidmet, dem eifrigsten Manager seines Sohnes: Er soll selbst bei den Briefen von Wolfgang Amadeus darauf geachtet haben, dass sie Zitierbares für die Nachwelt enthielten, damit dem Ruhm des Genies nichts im Wege stehen würde. Sätze wie „Gemeint und geschissen ist zweyerlei“, hat er dabei bewusst oder unbewusst passieren lassen.

Dennoch: Die Rechnung des Vaters ist aufgegangen – nur zu spät für den ersten Popstar der europäischen Musikgeschichte. Heute, 250 Jahre nach der Geburt des Komponisten, beginnt in Österreich das Mozartjahr. Es dauert bis zum 5. Dezember, dem 215. Todestag von Mozart. 313 Tage Zeit, in denen die Veranstalter und Vermarkter zeigen können, was im Namen Mozarts möglich ist. Dabei geht es nicht nur um Kultur, sondern auch um Kommerz. Mozart, der Zeit seines Lebens nicht schlecht verdiente, aber stets mehr ausgab, als er besaß, soll beweisen, dass er posthum zumindest schwarze Zahlen schreiben kann. Vater Leopold lässt grüßen.

Für ihr Programm geben die Wiener 30 Millionen Euro aus, die Salzburger sieben Millionen. Die Hauptstadt kann sich einfach mehr leisten als die beschauliche Provinzstadt, in der Mozart zwar geboren ist, die er aber später, so gut es ging, mied. Die unterschiedlichen Größenverhältnisse schüren in Salzburg das David-gegen-Goliath-Gefühl: Herbert Brugger, Geschäftsführer von Salzburg Tourismus, will sich nicht mit den Wienern vergleichen. „Es ist schon erstaunlich genug, dass wir in der touristischen Oberliga spielen“, sagt er. Dann allerdings will er die Zahlen doch nicht so stehen lassen und widmet kurzerhand die Ausgaben für Salzburgs neue Infrastruktur mozartbedingt um. Das kleine Festspielhaus wird fertiggestellt, ein neues Museum ist entstanden, die Aula der Universität, eine original Mozart-Spielstätte, ist aufwendig restauriert. Alles in allem hat das 70 Mill. Euro gekostet, die ohne Mozarts Geburtstag nicht so schnell investiert worden wären. Dazu kommt noch ein Topf von vier Mill. Euro, in den die Städte Salzburg und Wien gemeinsam sowie die landesweite Tourismusorganisation und die teilweise staatliche Fluglinie Austrian Airlines eingezahlt haben. Daraus werden die Marketingausgaben bezahlt.

Seite 1:

Die Rechnung des Vaters geht auf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%