Münchener Kunstfund
Händlersohn Gurlitt im Einkaufszentrum gesehen

Im Zuge des Münchener Kunstfundes ist er ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Jetzt soll Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt in einem Münchener Einkaufszentrum gesehen worden sein.
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Paris/München/Berlin/KornwestheimMitarbeiter der französischen Illustrierten „Paris Match“ wollen den im Fokus des spektakulären Münchner Kunstfundes stehenden Cornelius Gurlitt aufgespürt haben. Der 79-jährige Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt sei in einem Einkaufszentrum im Münchner Stadtteil Schwabing entdeckt worden, schrieb „Paris Match“ online.

Allerdings habe der Mann sich nicht ansprechen lassen. Vertrauen von der falschen Seite sei das Schlimmste, was passieren könne, zitierte „Paris Match“ Gurlitt. Ein Foto der Illustrierten zeigte dazu einen elegant wirkenden älteren Mann in grauem Mantel und Schal mit einem Einkaufstrolley.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Im Februar 2012 hatte sie in seiner Münchner Wohnung 1406 Bilder beschlagnahmt, was erst in der vergangenen Woche bekanntwurde.

Während die Augsburger Ermittler seit längerem keinen Kontakt zu dem Beschuldigten haben, schrieb dieser nun in seiner ersten öffentlichen Reaktion auf den Fall einen Brief an den „Spiegel“. Darin bittet er das Magazin, den Namen Gurlitt „nicht mehr in Ihrem Blatt erscheinen zu lasen“, berichtete der „Spiegel“ in seiner Onlineausgabe. Gurlitt gehe es offenbar darum, dass sein Vater nicht in Zusammenhang mit dem Nazi-Regime gebracht werde.

Die von den Nazis als entartet beschlagnahmten Bilder im Besitz des Kunsthändler-Sohns Cornelius Gurlitt gehören ihm nach Einschätzung des Zollkriminalamts (ZKA) rechtmäßig. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ und „Bild am Sonntag“ zitierten aus einem ZKA-Bericht an das Bundesfinanzministerium, dass diese 315 Kunstwerke „ausschließlich aus staatlichen und städtischen Museen bzw. Landesmuseen stammen“. Deshalb dürften „Rückgabe/Restitutionsansprüche der ehemaligen Eigentümer nicht durchsetzbar sein“. Es sei auch zweifelhaft, dass Gurlitt wegen hinterzogener Einfuhrumsatzsteuer angeklagt werde.

Dennoch dringt die Bundesregierung auf eine schnelle Aufklärung der Besitzverhältnisse. „Die Bundesregierung wird zusammen mit den bayerischen Behörden die Herkunftsrecherche zu Kunstwerken aus der Sammlung Gurlitt zügig voranbringen“, sagte Hagen Philipp Wolf, der Sprecher von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). Werke mit unklarer Erwerbsgeschichte würden dann unter Berücksichtigung des laufenden Ermittlungsverfahrens „umgehend veröffentlicht“, vorwiegend im Internet.

Einzelheiten nannte Wolf keine. Er betonte aber, dass die Bundesregierung die nationalen und internationalen Anfragen zum Münchner Kunstfund sehr ernst nehme. Zugleich verwies er darauf, dass Neumanns Haus bereits seit 2008 jährlich eine Million Euro für die sogenannte Provenienzrecherche in staatlichen Kulturinstitutionen zur Verfügung stelle. Dabei wird der Verbleib von Kunstwerken während der NS-Zeit verfolgt. Ab 2012 seien die Mittel auf zwei Millionen jährlich verdoppelt worden.

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Westerwelle „neugierig auf die Kunstwerke“

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